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Vorhofflimmern ©

Gesundes Herz durch gezielte Nahrungsergänzungen

Am Beispiel Vorhofflimmern möchte ich Ihnen aufzeigen, wie man mit ausgewählten Nährstoffen bestimmte Funktionen des Herzens gezielt unterstützt und das Risiko bedrohlicher Komplikationen deutlich absenken kann. Nicht immer halten sich Patienten allerdings an die ihnen gegebenen Ratschläge, nicht immer gelingt es, das Behandlungsziel zu erreichen. Aus solchen nicht optimalen Verläufen können wir manchmal mehr lernen als aus unseren schönen Erfolgen, die wir nur zu gerne demonstrieren. Wie heißt es so schön über ärztliche Behandlungen: "Unsere Erfolge bescheint strahlend die Sonne, unsere Misserfolge bedeckt gnädig die Erde." Wir wollen jedoch aus beidem lernen.

Vorhofflimmern - Ein Herz aus dem Takt...

Hermann Schindler (Name vom Autor geändert) war ein rüstiger Endsechziger, als er plötzlich bemerkte, dass er kaum noch Treppen steigen oder eine kleine Anhöhe bewältigen konnte, ohne völlig außer Puste zu geraten. Bei der Blutdruckmessung - er litt schon seit Jahren an erhöhtem Blutdruck, welcher medikamentös befriedigend eingestellt war - stellte er fest, dass sein Herz zu schnell und ganz unregelmäßig schlug. Das sofort beim Hausarzt angefertigte Elektrokardiogramm ergab eine Tachyarrhythmia absoluta. Dabei handelt es sich um eine Herzrhythmusstörung mit völlig unregelmäßigem Herzschlagen, wobei die Herzfrequenz noch dazu deutlich zu hoch ist - in diesem Fall zwischen 140 und 160 Schlägen pro Minute gegenüber den normalen 60 bis 80. Wenn das Herz so schnell und unregelmäßig schlägt, pumpt es unwirtschaftlich und kann nicht mehr soviel Blut in den Lungen- und den Körperkreislauf befördern, erst recht dann nicht, wenn bei körperlichen Anstrengungen mehr Volumen gefordert wird, siehe auch Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern - Vorsicht: Gerinnsel!

Der Hausarzt veranlasste einen sofortigen Transport ins nahe gelegene Kreiskrankenhaus. Dort hätte man sofort kardiovertieren (wieder in den richtigen Rhythmus bringen) können, da die Rhythmusstörung ganz frisch aufgetreten war. Beim Vorhofflimmern schlägt der Vorhof nicht mehr. Es kann sich also ein Blutsee bilden, in dem sich ein Gerinnsel formen kann. Wird dann wieder ein normaler Herzrhythmus hergestellt, so kann das während des Vorhofflimmern s eventuell gebildete Gerinnsel fortgeschwemmt werden und zu einem Schlaganfall führen. Ein solches Gerinnsel bildet sich allerdings erst nach einigen Tagen, weswegen entweder sehr bald nach Auftreten des Vorhofflimmern s oder aber nach mindestens dreiwöchiger Antikoagulation der Rhythmus elektrisch oder medikamentös wiederhergestellt werden darf. Bei einer Antikoagulation wird mit Medikamenten (Heparin-Spritzen oder Phenprocoumon, z.B. Marcumar®) das Gerinnungssystem so gehemmt, dass sich keine Gerinnsel mehr bilden, sondern vorhandene sogar auflösen können.

Wenn die Ärzte nicht sicher sind, ob sich bereits ein Gerinnsel im Vorhof gebildet hat, so können sie mit der TEE (Transösophageale Echokardiographie = Herzultraschall von der Speiseröhre aus, von der Belastung für den Patienten einer Magenspiegelung vergleichbar) diese Frage rasch und sicher klären. Das hierfür notwendige Instrumentarium war im Kreiskrankenhaus vorhanden, wurde aus nicht nachvollziehbaren Gründen jedoch nicht angewendet. So wurde stattdessen mit Medikamenten (Digitalis, Betablocker) der Herzrhythmus soweit verlangsamt, dass es wenigstens wieder einigermaßen wirtschaftlich das Blut transportierte. Aus dem tachykarden (= zu schnellem) war ein normofrequentes (= normale Herzfrequenz) Vorhofflimmern geworden.

Vorhofflimmern - Millionen leiden unter Vorhofflimmern

In Deutschland ist die Anzahl der Menschen, die ein chronisches Vorhofflimmern haben, siebenstellig. Das chronische, normofrequente Vorhofflimmern hat dann "nur noch" zwei Nachteile: Der Vorhof unterstützt die Herzfunktion nicht mehr. Für die motorsportinteressierten Leser: Die Einspritzfunktion der "Maschine Herz" ist ausgefallen. Dadurch ist die Herzleistung um etwa 20-30 % gemindert. Ein ansonsten gesunder Herzmuskel kann dies gut tolerieren. Wenn wir bei dem Beispiel "Motor" bleiben wollen: Bei einer 4-Zylinder-Maschine ist ein Zylinder ausgefallen. Damit kann ein Auto noch durch die Lande fahren, aber keinen Anhänger mehr einen Berg hinauf ziehen. Zweitens reagiert das Herz nicht adäquat auf Belastungen. Ein Herz mit normalem Rhythmus schlägt kontinuierlich schneller, je stärker die Belastung wird. Beim Herz mit einer absoluten Arrhythmie bei Vorhofflimmern ist dies oft chaotisch. Manchmal schlägt es bei Belastung nur ein kleines bisschen schneller, was nicht ausreicht, manchmal aber auch viel zu schnell, was dann wieder unwirtschaftlich ist. Beides führt zu starker Luftnot bei Belastung, obwohl Skelettmuskeln und Herz eigentlich in der Lage wären, die Leistung zu erbringen.

Vorhofflimmern - Nicht zu lange warten...

Hermann Schindler wurde aus dem Krankenhaus entlassen mit der Empfehlung, seine Medikamente brav einzunehmen (Gerinnungshemmer, Frequenzsenker und seine üblichen Blutdruckmittel) und zuzuwarten, vielleicht spränge das Herz ja wieder von selbst in den richtigen Rhythmus. Dies kann tatsächlich passieren, wird aber umso unwahrscheinlicher, je länger das Vorhofflimmern anhält. Spätestens nach sechs Monaten sollte man etwas aggressiver tätig werden, nach mehr als einem Jahr sind die Chancen auch unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten nahezu aussichtslos. Der beste Zeitpunkt ist 4 Wochen nach Beginn des Vorhofflimmern s, wenn 3 Wochen lang eine gute Gerinnungshemmung bestand.

Vorhofflimmern - Die Rhythmisierung gelingt

Ein kardiologisch erfahrener Arzt riet dem Patienten nach drei Monaten des Zuwartens, sich nicht auf die Empfehlung der Krankenhausärzte zu verlassen, sondern eine kardiologische Fachklinik aufzusuchen. In dieser Klinik wurde dann eine elektrische Kardioversion versucht, die jedoch nicht erfolgreich war. Dabei wird mit einem kurzen elektrischen Impuls ein Anstoß gegeben, wieder den richtigen Rhythmus (Sinusrhythmus) zu starten. Dies gelingt in etwa 70 % der Fälle, wenn es rechtzeitig erfolgt, in diesem Fall gelang es jedoch leider nicht. Daraufhin setzen die Ärzte Hermann Schindler einen Herzschrittmacher ein, der zwar nicht den richtigen Rhythmus ermöglicht, aber das Herz "nach unten" absichert. Schlägt das Herz zu langsam, übernimmt der Schrittmacher das Kommando und sorgt dafür, dass das Herz nicht langsamer als zum Beispiel 50mal in der Minute schlägt. Mit dieser Absicherung konnten die Kardiologen dem Patienten stärkere Rhythmusmedikamente geben, die möglicherweise den Sinusrhythmus wiederherstellen. Oft wirken diese Medikamente aber stark herzfrequenzsenkend, was dann gefährlich werden könnte. Diese Gefahr bestand nun nicht mehr, da hier der Schrittmacher wie ein Netz beim Zirkusartisten bereitstand.

Und Herr Schindler hatte Glück: Das Herz sprang tatsächlich in den normalen Rhythmus zurück. Er wurde daraufhin wieder körperlich leistungsfähiger und fühlte sich subjektiv viel wohler. Er hätte nun noch etwa ein halbes Jahr seine Rhythmus- und Gerinnungsmedikamente nehmen müssen, die dann langsam hätten abgesetzt werden können. Die Gerinnungsmedikamente erhöhen nämlich die Gefahr des Verblutens bei einer Verletzung. Alle Antiarrhythmika (Mittel gegen Rhythmusstörungen) erhöhen prinzipiell auch die Gefahr eine gefährliche ventrikuläre (von der Kammer ausgehende) Rhythmusstörung zu erleiden, die potentiell lebensgefährlich ist  - siehe auch unter
www.1-medikamente.de/antiarrhythmika/. Unter einer sinnvollen Risiko-Nutzen-Abwägung scheint eine halbjährige medikamentöse Therapie jedoch vertretbar zu sein. Nährstoffe stabilisieren den Rhythmus.

Was hat nun die Naturheilkunde damit zu tun? Herr Schindler fragte mich um Rat, was er denn noch alternativ tun könne, um seinem Herz zu helfen. In diesem Fall empfahl ich aber keine alternative Therapie, sondern eine komplementäre. Ich hielt es nicht für sinnvoll, das begonnene, erfolgreiche, konventionelle Therapieregime abzusetzen, sondern vielmehr durch naturheilkundliche Maßnahmen zu ergänzen. Unter anderem empfahl ich ihm, das herzrhythmusstabilisierende Magnesium in einer möglichst hohen Dosis einzunehmen. Dies können 300 oder auch 600 mg am Tag sein. Die Dosis sollte langsam gesteigert werden bis der Stuhl dünner wird. Dann sollte die Dosis eine Stufe zurückgefahren werden, so dass der Stuhl gerade noch eine normale oder eine etwas weichere Konsistenz aufweist.

          

Abb. 1: Omega-3-Fettsäuren aus fetten Seefischen oder Leinöl helfen dem Herz

Zusätzlich sollte er Omega-3-Fettsäuren in hoher Dosis einnehmen: Entweder mindestens 3 x 2 Fischölkapseln oder eine Portion eines Kaltwasserfisches oder ein Esslöffel Leinöl täglich. Wer Fischöl und Fische nicht mag, kann auch nur das Leinöl nehmen. Die GISSI-Studie hat ergeben, dass eine solche Therapie bei italienischen Herzinfarktpatienten die Gesamtsterblichkeit um 20-30 % zu reduzieren in der Lage war. Insbesondere der durch Herzrhythmusstörungen ausgelöste plötzliche Herztod war hochsignifkant bei den Patienten geringer, die die Omega-3-Fettsäuren bekam, im Vergleich zu denen, die ein Placebo (Scheinmedikament) erhalten hatten. Mir ist bisher keine Studie bekannt, die einen ähnlich großen Erfolg durch ein übliches Antiarrhythmikum bei vergleichbar niedrigen Nebenwirkungen (gelegentlich unangenehmes "fischiges" Aufstoßen) belegt! www.ganzheits-medizin.de/fettsaeuren/.

Vorhofflimmern - Nährstoffe wirken im Körper, nicht in der Packung

Diese Empfehlungen hatte ich Ende Dezember ausgesprochen. Ende Januar rief  mich die Ehefrau von Herrn Schindler an und berichtete schockiert, dass ihr Mann am plötzlichen Herztod verstorben sei. Bei meinem Beileidsbesuch bemerkte ich in der Wohnung die unangebrochenen Packungen mit Fischölkapseln und Magnesiumtabletten. Er wollte in den nächsten Tagen mit der Einnahme beginnen, schilderte mir die verzweifelte Witwe.

Vorhofflimmern - Janusköpfige Antiarrhythmika

In wenigen Wochen wäre auch der Termin in der Herzklinik gewesen, anlässlich dessen vermutlich die so hilfreichen, aber auch gefährlichen Antiarrhythmika abgesetzt worden wären. Diese Medikamente haben den günstigen normalen Sinusrhythmus ermöglicht, gleichzeitig aber die Gefahr für den plötzlichen Herztod heraufgesetzt. Ich bin mir nicht sicher, ob mit Einnahme der Nährstoffpräparate der Tod hätte verhindert werden können, die Wahrscheinlichkeit wäre aber bestimmt geringer gewesen.

Was lernen wir daraus? Wir wollen den Segen der konventionellen Medikamente und -verfahren nicht herabwürdigen, wir unterschätzen aber meist die Risiken, die hiervon ausgehen. Wir - und damit meine ich gerade die konventionellen Ärzte und Kardiologen - unterschätzen aber auch die hohe Wirksamkeit von Naturheilverfahren. Selbst wenn diese eindeutig belegt worden sind, werden sie leider nur selten zur Kenntnis genommen.

Vorhofflimmern - "Ein Indianer kennt keinen Schmerz"

Noch etwas ist mir an diesem bedauerlichen Fall aufgefallen: Für Frau Schindler kam der Tod Ihres Mannes "plötzlich und unerwartet", wie es so schön heißt. Bei genauem Nachdenken fiel ihr aber auf, dass ihr Mann in den letzten Tagen vor seinem Hinscheiden doch die eine oder andere Anmerkung äußerte, die im Nachhinein daraus schließen lassen, dass doch irgendetwas nicht in Ordnung gewesen war. Herr Schindler hatte dies sehr wohl gemerkt und vielleicht auch die Gefahr geahnt, in der er sich befand. Er gehörte aber noch zu der Generation, der man beigebracht hatte, hart wie Kruppstahl zu sein und nicht wegen jedem kleinen Wehwehchen zum Arzt zu rennen. Dieses Verhalten - das Ignorieren, das Verdrängen von deutlichen Warnsignalen des eigenen Körpers - beobachten wir immer wieder bei unseren Patienten. Besonders stark ist dies bei Männern ausgeprägt und noch stärker bei den gerade gefährdeten Herzpatienten. Das neurotische Achten auf jeden einzelnen Herzschlag ist genau so unsinnig wie das Missachten jeglicher Warnsignale - letzteres kann aber lebensgefährlich sein.

Von Herzen alles Gute für Ihr Herz

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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ISBN: 9783830422211
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Volker Schmiedel

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Aktualisiert: Dezember 2010

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