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Selen ©

– ein immer noch vernachlässigtes Spurenelement
 

Empfohlene Zufuhr  30-70 μg (WHO-Empfehlung: 50-200 μg)
Therapeutische Zufuhr 50-300 μg  

Eigenschaften von Selen

Besonders selenreich sind Nerven und Gehirn, Schilddrüse, Leber, Niere, Lunge, Herz und Muskulatur. Selen ist Bestandteil der Glutathionperoxidase, eines der wichtigsten antioxidativen Enzyme. Selen schützt uns damit vor Oxidationsprozessen, die beim Altern, aber auch bei der Entstehung vieler Krankheiten wie Krebs oder Arteriosklerose bedeutsam sind. Außerdem unterstützt Selen die Entgiftung vieler Schwermetalle (z.B. Quecksilber, Arsen, Blei, Kadmium) und Medikamente. In den letzten Jahren wurden weitere selenhaltige Eiweiße im Körper entdeckt, deren Funktion teilweise geklärt (die Jodthyronin-Dejodase wandelt das Schilddrüsenhormon T4 in die biologisch aktive Form T3 um), teilweise aber noch unbekannt ist. Seit Selen in der Tiernahrung eingesetzt wird, sind bestimmte Krankheiten bei Masttieren und beim Geflügel nahezu vollständig verschwunden.

 

Symptome eines Mangels an Selen
 

In bestimmten Gegenden Chinas mit sehr selenarmen Böden kommt es zur so genannten Keshan-Krankheit, die mit einer Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung) einhergeht. Deutschland ist im Weltvergleich zu den eher selenarmen Gegenden zu rechnen. Die Zufuhr wird durchschnittlich auf 40 µg täglich geschätzt und liegt daher am unteren Rand der empfohlenen Zufuhr der WHO. Die Versorgung der Bevölkerung kann als grenzwertig bezeichnet werden. Die Versorgung ist nicht so schlecht, dass das Auftreten der Keshan-Krankheit befürchtet werden muss, jedoch könnte das Entstehen bzw. die Ausprägung bestimmter Krankheiten gefördert werden:

 

Krebs

Koronare Herzkrankheit mit dem Endpunkt Herzinfarkt

Rheumatische Erkrankungen und andere Autoimmunerkrankungen wie Neurodermitis

Hashimoto-Thyreoiditis

• Schwächungen des Immunsystems, Virusinfektionen

• Katarakt (grauer Star).

 

Symptome einer Überdosierung mit Selen
 

Bei einer Zufuhr von mehr als 1000 μg täglich über mehrere Monate wurden folgende Symptome beobachtet:

 

• Knoblauchartige Atemluft

Gastrointestinale Störungen

Kopfschmerzen

• Haarausfall.

In einigen Gegenden von China und den USA sind Überdosierungen allein durch die Ernährung mit lokalen Produkten beobachtet wurden. In Mitteleuropa ist dies nur bei länger andauernder, extremer Überdosierung mit selenhaltigen Nahrungsergänzungen möglich. In den letzten Jahren gibt es aus Studien einige Hinweise, die hohe Selenspiegel im Blut mit dem Auftreten von Diabetes mellitus in Verbindung bringen. Bei einer Therapie mit Selenmonitorung, die die Überschreitung der optimalen Werte verhindert, ist damit nicht zu rechnen.

 

Selen - Gegenanzeigen und Nebenwirkungen
 

Selen weist eine geringe therapeutische Breite auf, d.h. es kann bei übermäßiger Zufuhr durchaus zu Überdosierungen kommen! Die Einnahme von mehr als 200 µg über längere Zeit sollte daher unter Kontrolle eines Arztes, der sich mit Selen auch auskennt, erfolgen.

 

Selen - Vorkommen
 

Fische und Meeresfrüchte, Fleisch, Eier, Vollkornprodukte, Sojabohnen, Hefe, besonders so genannte Selenhefe, Knoblauch, Kokosnuss und Paranuss sind sehr selenreich.

 

Der Selengehalt einiger tierischer Lebensmittel ist höher als der von pflanzlichen Lebensmitteln. Trotzdem ist die Selenversorgung von Vegetariern meist nicht schlechter (das Selen aus pflanzlichen Quellen wird offenbar besser resorbiert). Selenwerte im oberen Bereich der Norm oder darüber werden bei Menschen beobachtet, die überdurchschnittlich viele Seefische und andere Meeresprodukte zu sich nehmen. Vollkornprodukte enthalten etwa doppelt so viel Selen wie Weißmehlerzeugnisse. Die Empfehlung mancher Onkologen, täglich einige Paranüsse zu essen, um mehr Selen zuzuführen, ist nicht hilfreich, da der Selengehalt je nach Herkunft sehr unterschiedlich ist.

Selen - Labordiagnostik

Die Bestimmung im Vollblut ist etwas genauer als die im Serum. Die „Normalwerte“ sind aber an
der deutschen Bevölkerung ausgerichtet. In anderen Populationen sind weitaus höhere Werte „normal“. Eine optimale Funktion der selenabhängigen Glutathionperoxidase ist dann gewährleistet, wenn Spiegel im
oberen Normbereich oder leicht darüber erzielt werden. Sehr hohe Spiegel sind nach den
Ergebnissen der jüngsten Studien eher zu vermeiden, wozu die Spiegelkontrollen sehr hilfreich sind.

Normalwert im Vollblut: 107-145 μg/l
Optimalwert im Vollblut:  145-201 μg/l

Selen - Bewertung aus praktischer Sicht

Bei allen Krebserkrankungen und bei Autoimmunerkrankungen, besonders bei der Hashimoto-Thyreoiditis bestimme ich das Selen im Blut. Dabei finde ich sehr häufig Werte im unteren Normbereich
oder sogar darunter. Je nach Ausgangswerte verschreibe ich dann 50 bis 300 μg.
Nach drei Monaten erfolgt eine Kontrolle. Ist der Wert im erwünschten Bereich an oder leicht über
der oberen Normgrenze, wird die Selengabe beibehalten, ansonsten erfolgt eine Dosisanpassung
und erneute Kontrolle nach drei Monaten.

Mit diesem Procedere erhoffe ich mir eine Verbesserung der Prognose der Krebserkrankungen.
Bei
Autoimmunerkrankungen habe ich Verbesserungen der Entzündungsaktivität mit Selen als
Bestandteil einer komplexen Therapie gesehen. Patienten berichteten mir spontan weniger Infektionen.

Cave

-    Von den neuen Studien, die eine erhöhte Rate von Diabetes unter Selentherapie ergaben, lasse
ich mich nicht irritieren. Die Studien wurden in einer Bevölkerung mit einer ohnehin guten natürlichen Versorgung, nicht jedoch in einem Mangelgebiet wie Deutschland erhoben.

-    Gegen die Gefahr des Diabetes kann ich mit entsprechenden diätetischen Maßnahmen und Bewegung vorbeugend gut angehen.

-    Sicherheitshalber vermeide ich sehr hohe Konzentrationen im Blut und rate dann zu einer Reduktion der Dosis, bis optimale Spiegel (bis 200 μg/l ) auch nachprüfbar erreicht sind.

Selen - Präparate (Auswahl)

Präparat  Gehalt in μg Rezeptpflicht
Cefasel 50 Tabl./ 50 nein  
100 Tabl./  100 ja
100 Lösung/  100 ja 
Trinkampullen/  100 ja
300 Tabl./ 300 ja
100/300 Inj.-Lösung 100/300 ja
Cefasel 100/200 nutri 100/200 nein
selenase 50 AP Tabl./  50 nein
 50 peroral Lösung/ 50/Trinkamp. nein
100 peroral Lösung/   100/Trinkamp. ja
T peroral Lösung/  50/Trinkamp. ja
100 pro injectione/  100/Trinkamp.                ja
T pro injectione/ 500/1000              ja
300 RP/ Tabl./  300 ja
RP/ Tabl./                                79 ja
selen-loges 50 Tabl./  50 nein
300 Tabl. 300 ja
Seltrans peroral Trinkamp.  60 ja
Uniselen Tabl. 46  nein

Nachtrag: Es wird vor der Einnahme von Selen gewarnt 

Während konventionelle Ärzte dem Selen in den letzten Jahren immer wohlgesonnener waren und auch Onkologen bei ihren Patienten immer mehr Selen einsetzten, hat dies einen deutlichen
Dämpfer erhalten.
Was war passiert? Vor einigen Jahren wurde in den USA eine große Studie zur Prävention von
Prostatakrebs bei über 30.000 gesunden Männern über 50 Jahre gestartet. Diese erhalten zufällig verteilt
und doppel-blind entweder Selen,
Vitamin E, beides oder ein reines Placebo. Man wollte wissen, in welchen Gruppen wie viele Prostatakrebse auftraten und ob Vitamin E oder Selen allein oder sogar vermehrt in der Kombination davor zu schützen vermag. 

Nun wurde die Studie aus ethischen Gründen vorzeitig beendet, weil es in der Vitamin E-Gruppe zu einer leichten Übersterblichkeit gekommen war. Als ich mir die Daten genauer anschaute, stellte ich entsetzt fest, dass kein natürliches, sondern ein synthetisches Vitamin E verwendet wurde. Möglicherweise wäre das
nicht passiert, wenn man die natürliche Variante gewählt hätte. Ich kann es nicht beweisen, aber ich halte
diese für wesentlich besser und verordne sie seit Jahren ausschließlich (weitere Informationen siehe in meinem Beitrag
Vitamin E )

Aber auch das Selen war nicht gut weggekommen: In den Gruppen mit dem Selen gab es etwas
mehr Diabetesfälle. Ich habe mir die Daten auch hier genauer angeschaut und musste feststellen, dass die Studienleiter ein organisches Selen verwendet hatten. Da dieses als Selenaminosäureverbindung direkt in körpereigene Eiweiße eingebaut wird, kann es hier leichter zu einer Überdosierung kommen als bei dem anorganischen Natriumselenit, welches in Deutschland meist eingenommen wird. Hinzu kommt, dass man
in einer Subgruppenanalyse festgestellt hat, dass besonders diejenigen von
Diabetes gefährdet waren, die bereits vor Beginn der Studie relativ hohe Selenspiegel aufwiesen. Diese Gefahr ist in Deutschland aber so
gut wie nie gegeben, da in Deutschland die Böden und damit auch die Menschen viel selenärmer sind als in
den USA. Die Ergebnisse der Studie sind also auf die hiesige Verordnungssituation und die hiesige
Bevölkerung mit ihrer Selenunterversorgung gar nicht zu übertragen! 

Diese differenzierte Betrachtung wird aber von selenkritischen Ärzten nicht angestellt. Für mich hat sich im Verordnungsverhalten bezüglich Selen nichts geändert – außer dass ich noch mehr auf die Laborkontrolle
im Blut und die Einhaltung der optimalen Dosiswerte achte.
 

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stammt aus diesem Buch, welcher hier mit freundlicher Genehmigung des Hippokrates Verlages Stuttgart verwendet wird.
 

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Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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