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Schlafstörungen ©  - Teil 2 –   

10 Goldene Regeln bei Schlafstörungen

Quizfrage: 

Welche Heilpflanze ist am wenigsten geeignet, Schlafstörungen zu beheben? 

a)      Baldrian   b)      Hopfen   c)      Melisse   d)      Passionsblume   e)      Weißdorn

Haben Sie denn auch schon Teil 1 der Schlafstörungen gelesen? 

Was können Sie bei Schlafstörungen vom Arzt erwarten? 

Bei den meisten Fällen von Schlafstörungen handelt es sich um so genannte funktionelle Störungen, d.h. es liegt ihnen keine organische Ursache zugrunde. Der Arzt sollte aber an innere, orthopädische, neurologische oder psychische Ursachen von Schlafstörungen denken und diese moderat abklären. Bei schweren Schlafstörungen oder bei Verdacht auf das Schlaf-Apnoe-Syndrom sollte auch eine Untersuchung in einem Schlaflabor erwogen werden. Wenn irgend möglich sollte natürlich die Grunderkrankung optimal behandelt werden. 

Häufig wird der Arzt – schon aus Zeitgründen – zum Rezeptblock greifen und ein Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel verordnen. Dabei sollten Sie sich als Patient klar machen, dass ein solches Mittel eine rein symptomatische Maßnahme darstellt, die also nicht an die Ursache der Schlafstörungen herangeht. Der zweite große Nachteil dieser Mittel ist das große Abhängigkeitspotential. 

Als chemische Einschlafhilfe bei Schlafstörungen werden heute kaum noch die aus verschiedenen Gründen sehr bedenklichen Brom- und Barbituratpräpate verschrieben, sondern Sedativa, also Beruhigungsmittel, die dem Valium® chemisch verwandt sind (z.B. Normoc®, Noctamid®, Rohypnol®). Auch bei diesen Mitteln kann es zu einer Abhängigkeit kommen. Häufig wird dabei eine so genannte low-dose-Abhängigkeit beobachtet. Dabei muss der Abhängige zwar nicht ständig seine Dosis steigern, aber er kommt auch nicht ohne eine, wenn auch geringe Dosis des Mittels aus. 

Außerdem werden die Schlafphasen in ihrem natürlichem Ablauf gestört. Die im ersten Teil erwähnten REM-Schlafphasen werden teilweise unterdrückt, was für die Traumarbeit negative Folgen haben kann. Die meisten der Beruhigungsmittel haben eine sehr lange Halbwertszeit (= Zeit, in der die Hälfte des Mittels ausgeschieden oder abgebaut wird). Diese Halbwertszeit beträgt beim Valium® immerhin 1-2 Tage, d.h. es dauert nahezu eine ganze Woche, bis der Körper wieder praktisch vollständig von dieser Substanz befreit ist. Die langen Halbwertszeiten erklären auch, warum bis weit in den nächsten Tag hinein Müdigkeit und Konzentrationsschwäche auftreten können (so genannter hang-over). Siehe auch meinen Beitrag über Tranquilizer.

10 Goldene Regeln bei Schlafstörungen 

Befreien Sie sich vom Zwang des „Schlafenmüssens“!
Schlaf kann nicht durch den Willen herbeigeführt, er kann schon gar nicht erzwungen werden. Im Gegenteil: Je mehr er gewollt wird, desto schwerer stellt er sich ein. Er ist etwas Passives, man kann ihn daher nicht durch aktives Tun erreichen, sondern nur durch ein „Geschehen-lassen“. Sie können aber die Bedingungen, die Schlaf ermöglichen, optimal gestalten. Dazu gehören:

Gewinnen Sie Vertrauen in die natürlichen Fähigkeiten des Körpers, der sich soviel Schlaf holt, wie er braucht. Auch wenn Sie denken, Sie haben wegen Ihrer massiven Schlafstörungen gar nicht oder nur eine Stunde geschlafen, so wissen wir aus Untersuchungen im Schlaflabor, dass Menschen mit Schlafstörungen deutlich mehr schlafen als sie vermeinen zu schlafen.              

Vermeiden Sie die Formel: „Ich muss jetzt schlafen!“ Sagen Sie sich vielmehr: „Ich muss nicht schlafen! Ich möchte nur ruhen. Auch wenn ich gar nicht schlafe, finde ich beim Ruhen meine Erholung.“ Erstens stimmt dies tatsächlich, zweitens schlafen Sie besser ein, wenn Sie es gar nicht wollen.              

Benutzen Sie doch einmal folgenden Trick: In Ihrem möglichst dunklen Schlafzimmer sollten Sie die Augen offen halten. Sie dürfen in die dunkle Leere oder auf die Wand starren. Wenn die Augen trocken werden, dürfen Sie auch zwinkern, Sie sollten aber nicht die Augen für längere Zeit schließen. Denken Sie dabei an etwas Schönes. Irgendwann werden de Augen vermutlich von allein zufallen und Sie werden in einen tiefen und erholsamen Schlaf fallen.

Das berühmte „Schäfchenzählen“ hat heute ausgedient. Viel besser ist es, sich eine schöne Landschaft vorzustellen. Legen Sie sich in Ihrer Phantasie auf eine saftige Bergwiese und beobachten Sie das sanfte Schlagen der Schmetterlinge. Genießen Sie die ermüdende Schwüle in Ihrer Hängematte unter einer tropischen Palme und beobachten Sie, wie die Meereswellen sachte gegen den Sandstrand schwappen. Lassen Sie Ihrer Phantasie keine Grenzen! Genießen Sie die schönen, ruhigen Bilder. Ruhen Sie dabei, Sie müssen dabei nicht einschlafen, Sie dürfen es!

Im Bett sind andere Tätigkeiten als Schlaf (oder Beischlaf) tabu! So sollten Sie – jedenfalls wenn Sie unter Schlafstörungen leiden – im Bett weder lesen, noch gar fernsehen. Der Körper sollte darauf konditioniert werden, dass das Bett für Ruhe, Entspannung und Schlaf gedacht ist.

Der Schlaf ist eingebunden in den ca. 24stündigen biologischen Rhythmus. Daher treten auch dann Schlafstörungen gehäuft dann auf, wenn wir gegen unsere natürliche Ordnung verstoßen. Aktivität, Passivität, Mahlzeiten, körperliche Aktivität sollten daher täglich zu etwa den gleichen Zeiten stattfinden. Schlaf ist ein rhythmisches Geschehen. Sie können dies durch Ihre Lebensweise unterstützen.                                                                                           

Daher sind berufliche Tätigkeiten mit Wechselschichtarbeit, besonders mit Nachtschichtarbeit bei Schlafstörungen eher ungünstig. Abends sollten Sie etwa zur selben Zeit ins Bett gehen, morgens zur selben Zeit aufstehen. Bei Schlafstörungen sollte der Mittagsschlaf (zum „Nachholen“ des versäumten Schlafes) unbedingt vermieden werden, da hierdurch Schlafstörungen eher Vorschub geleistet wird, weil der natürliche Rhythmus (tags aktiv – nachts passiv) vollends durcheinander kommt.                                                                   

Gerade bei Schlafstörungen sollten Geist und Körper langsam auf die Zeit der Ruhe vorbereitet werden. Dies kann z.B. durch Entspannungsübungen geschehen. Suchen Sie sich ein Verfahren, mit dem Sie gut zurechtkommen. Es gibt nicht das beste Entspannungsverfahren, es gibt nur für Sie persönlich geeignete oder weniger geeignete Methoden. Der mehr körperlich aktive Mensch wird eher körperorientierte Verfahren wie Muskelentspannungstraining nach Jacobson, Yoga oder Tai Chi bevorzugen. Mehr introvertierte Menschen kommen möglicherweise besser mit Autogenem Training oder bestimmten Meditationen zurecht. Auch das Hören von entspannender Musik oder von geführten Meditationen oder Phantasiereisen kann sehr hilfreich sein. In Kursen z.B. bei Krankenkassen oder Volkshochschulen kann praktisch jeder das für ihn richtige Entspannungsverfahren erlernen. Haben Sie – besonders als Mann! – keine Angst vor Meditationen. Es handelt sich dabei um teilweise Jahrtausende altes Wissen der Erfahrungsheilkunde, nicht um irgendwelche obskure Sektiererei. Nebenbei: Unterhalten sich zwei Mütter. Sagt die Eine: „Übrigens, mein Sohn hat jetzt angefangen zu meditieren.“ Erwidert die Andere: „Na immer noch besser als wenn er gar nichts tut!“ Wir lächeln darüber, weil wir alle dem Vorurteil frönen, meditieren sei eben nichts anderes als Nichtstun. Nicht ist falscher: Meditationen und Entspannungsübungen sind höchst aktive Möglichkeiten, Ruhe und Entspannung zu finden. Probieren Sie es einfach aus! – Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie nicht die Dauer des Schlafes als Maß für seine Güte wählen. Ein viel besserer Maßstab ist das Befinden am nächsten Tage. Laufen Sie wie ein Schluck Wasser durch die Gegend oder sind Sie zwar etwas erschöpft, können ihren gewohnten Tätigkeiten aber ohne weiteres nachgehen? Fühlen Sie sich tagsüber nicht besonders müde, zerschlagen oder erschöpft, dann kann der Schlaf so schlecht nicht gewesen sein, er war dann quantitativ und qualitativ zumindest ausreichend.

Meiden Sie Genussmittel!                                                                                   
Alkohol kann in geringen Mengen - eine Flasche Bier, ein Glas Rotwein (Weißwein wirkt anregender) – Schlaf fördernd wirken. In größeren Mengen stört Alkohol jedoch das natürliche Schlafprofil. Der Ablauf von Tiefschlaf- und Traumschlafphasen gerät durcheinander. Der Schlaf ist nicht mehr erholsam. Jeder, der einmal einen Rausch ausgeschlafen hat, kann das bestätigen. Trotz eines schnellen Einschlafens und eines scheinbar tiefen Schlafes fühlt man sich am nächsten Morgen wie gerädert. Wie gesagt, die gelegentlich abendliche Einschlafhilfe mit einem „Schlummertrunk“ sei erlaubt, ein regelmäßiger Gebrauch von Alkohol als Schlafmittel ist wegen des Gewöhnungseffektes hingegen nicht sinnvoll. Wenn Sie dann einmal Ihre „Krücke“ weglassen, dann geht gar nichts mehr.                                                 

Dass Koffein als anregende Droge Schlafstörungen verstärken kann, braucht nicht gesondert betont zu werden (auch wenn manche Menschen nach einer Tasse Kaffee besonders gut einschlafen können). Es reicht jedoch oft nicht aus, koffeinhaltige Getränke am Abend zu meiden. Von Schlafstörungen geplagte Menschen sollten versuchsweise nach dem Mittagessen konsequent auf jegliche koffeinhaltige Getränke verzichten (siehe auch den Artikel zum Erschöpfungszustand/ Burnout-Syndrom). Denken Sie bitte auch an koffeinhaltige Schmerzmittel.

Veranlassen Sie eine moderate diagnostische Abklärung!
Im ersten Teil dieses Beitrages über Schlafstörungen wurde schon darauf eingegangen, dass es zahlreiche organische Ursachen und psychische Erkrankungen gibt, die Schlafstörungen bedingen oder verstärken können. Hier sollten die wichtigsten und häufigsten Störungen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion) schon abgeklopft werden. An andere Ursachen sollte man denken, wenn es entsprechende anamnestische Hinweise gibt. Wenn Sie beispielsweise durch sehr unruhige Beine am Einschlafen gehindert werden, sollte ein
Restless-Legs-Syndrom durch einen Neurologen abgeklärt werden. Wenn Sie – oder zuverlässiger noch Ihr Partner – über nächtliches Schnarchen mit Atemstillständen berichten, sollte nach einem Schlaf-Apnoe-Syndrom gefahndet werden. Eine weitergehende Diagnostik sollte insbesondere dann eingeleitet werden, wenn Sie viele der in diesem Artikel erwähnten berücksichtigt haben und trotzdem überhaupt keine Besserung eingetreten ist. Eine weitere Möglichkeit der ganzheitlichen Diagnostik besteht in der Suche nach bestimmten Vitamin- und Mineralmangelzuständen. Bei Schlafstörungen untersuche ich meine Patienten auf folgende Werte:                                                                                              
٭ - Magnesium: Unser wichtigstes Anti-Stress-Mineral finde ich bei Schlafstörungen häufig erniedrigt. Der Serumuntersuchung auf Magnesium ist allerdings nicht geeignet, um Mangelzustände aufzudecken, da nur 1-2 % des Magnesiums im Serum vorkommen. Die Vollblutmineralanalyse spiegelt die intrazellulären Bestände viel genauer wider. Eine großzügige Zufuhr (150-300 mg Magnesium, z.B. Magnesium Diasporal 300® Beutel ½-1 abends vor zu Bett gehen, manchmal auch mehr, steigern Sie die Dosis langsam, bis der Stuhl etwas dünner wird) kann sehr zur Beruhigung und damit auch zu einem besseren Schlaf beitragen.
٭ - Zink: Der Körper benötigt Zink, um das für den Schlaf wichtige Hormon Serotonin bilden zu können. Zinkmangel beobachte ich bei meinen Untersuchungen sehr oft (auch bei Störungen des Immunsystems). Auch hier ist die Vollblutanalyse viel aussagekräftiger als die üblicherweise durchgeführte Serumuntersuchung. Je nach Ausmaß des Mangels gebe ich dann zwischen 10 und 60 mg Zink für drei Monate (z.B. Cefazink® 10 oder 20 1x1 bis 3x1). Wichtig: Zink bitte mindestens eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten einnehmen, die Resorption wird so verbessert).                       ٭ - Vitamin B6: Dieses wichtige „Nervenvitamin“ wird ebenfalls zur körpereigenen Synthese des Serotonins benötigt und ist bei Schlafstörungen häufig erniedrigt. Bei einem nachgewiesenen Mangel gebe ich gern Vitamin B6 Hevert® Tabl. für ein bis zwei Wochen täglich, danach einmal pro Woche. Nach der Laborkontrolle und dem subjektiven Befinden wird dann über die weitere Einnahme entschieden (ebenso bei Magnesium und Zink).                                                     
٭ - Tryptophan: Bei Schlafstörungen, die auf einen Serotoninmangel zurückzuführen sind, fehlt häufig auch die Aminosäure Tryptophan. Diese kann substituiert werden, z.B. abends 4 Tabletten Ardeydorm®.                                                                                             
٭ - Melatonin: Dies ist das eigentliche „Schlafhormon“. Ich finde es bei mindestens 30 % aller Schlafstörungen mehr oder weniger stark erniedrigt (persönliche Erfahrung, nicht durch Studien gesichert!). Dann macht eine Melatoningabe wirklich Sinn und führt oft zum völligen Verschwinden der Schlafstörungen! Da es in Deutschland nicht als Medikament nicht zugelassen ist und viel über Melatonin zu berichten wäre, verweise ich auf einen eigenen Artikel zum Thema Melatonin.
             
Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, so suchen Sie sich jemanden, der diese Untersuchungen bei Ihnen durchführt! Es wird allerdings nicht ganz einfach sein, einen entsprechenden Arzt zu finden, da das Wissen hierum an den Universitäten praktisch nicht gelehrt wird. Da es sich nicht um patentierbare Medikamente handelt, gibt es keine Pharmafirmen, die damit hohe Gewinne erzielen und daher viel Geld für entsprechende Werbemaßnahmen (z.B. Anzeigen, Pharmareferenten, Kongresse) ausgeben können. Unser Gesundheitssystem fördert durch ökonomische Anreize die Verordnung teurer patentierter Medikamente, während preiswerte Naturheilmittel vom Markt gedrängt werden. Nur Schade, dass unsere Gesundheitspolitiker und Krankenkassenfunktionäre dies bisher nicht zur Kenntnis nehmen (wollen)!

Verwenden Sie homöopathische und/oder pflanzliche Heilmittel zur Unterstützung!
Die milde, Schlaf fördernde Wirkung pflanzlicher Mittel ist belegt. Wichtig ist bei allen pflanzlichen Mitteln jedoch eine ausreichend hohe Dosierung. Hier wird oft am falschen Ende gespart! Mit selbst zubereiteten Tees oder Tinkturen aus der Apotheke lässt sich diese Dosierung oft genauso gut erreichen wie mit industriellen Fertigpräparaten.

 - Baldrian als Tee (Wurzel, 2 TL auf eine Tasse) als Tinktur (1-2 TL in Kräutertee) oder in:
   - Cefaluna
®
   - Baldrivit 600
®
   - Ardeysedon Nacht Dragees

                                                                                               
   - Kombinationsmittel:
   - Valeriana Hevert
® Beruhigungsdragees
   - Fertigtees: Kneipp® Nerven- und Schlaftee N, Salus Nerven-Schlaf-Tee Nr. 22
® 
   - Beispiele für Beruhigungs- und Schlaftees:                                                         
Rp.      Baldrianwurzel
            Hopfenzapfen                                                                                               
            Melissenblätter            je 30,0 g                                                    
2 TL/Tasse, heiß übergießen, 15 Minuten ziehen lassen, eine Tasse vor dem Schlafengehen.

Nicht jeder mag Baldrian, hier ein Rezept ohne Baldrian:                                          
Rp.       Lavendelblüten                                                                                  
             Melissenblätter                                                                                  
             Hopfenzapfen              je 30,0 g                                   
Zubereitung wie oben.

Homöopathie ist bei Schlafstörungen sehr bewährt! Wenn man Einzelmittel wählt, muss die
  Symptomatik des Arzneimittels gut mit den Symptomen der Schlafstörungen zusammenpassen
  (siehe auch
Homöopathie):                                                                                     
– Aconitum D6: Schlafstörungen nach Schreck, große Unruhe oder Angst, Herzklopfen, besonders
  bewährt bei Schlafstörungen während eines akuten Infektes
– Coffea D12: Wenn Ideenfülle und Gedankenandrang zu Schlafstörungen führen, Folge von
  geistiger Anstrengung, nach Erregung wegen großer Freude, nach Kaffeegenuss, bei nervöser
  Reizbarkeit, Herzklopfen                                         
– Zincum valerianicum D4: Schlafstörungen durch unruhige Beine, Mattigkeit, große Schwäche in
  den Beinen, aber Zucken, Ziehen und Reißen der Muskeln, Gefühl wie von elektrischen
  Schlägen                                                          
– Kombinationsmittel: Nicht immer findet man bei Schlafstörungen auf Anhieb das passende
   Mittel (in der homöopathischen Arzneimittellehre finden sich mehrere hundert Mittel, die das
   Symptom „Schlafstörungen“ haben. Die Wahl eines Komplexmittels mit einer Kombination
   bewährter Substanzen bei Schlafstörungen kann daher die richtige Lösung sein, z.B.:
– Neurexan
® eine Tablette abends, evtl. stündlich wiederholen                          
– Zincum valerianicum Hevert
® Tr., 20 Tropfen abends, evtl. stündlich wiederholen.

Essen Sie abends nicht mehr schwer!
„Bei genügsamer Kost wird die Nachtruhe nicht verkürzt.“ wusste schon der griechische Philosoph Demokrit zu berichten. Und in Afrika kennt man den Spruch: „Schlafen die Gedärme nicht, schläft auch nicht der Mensch.“ Trotzdem beginnen viele Abendessen und Buffets erst um 20 h, und wir schlagen uns den Bauch voll, als gäbe es morgens nichts mehr zu beißen. Wer unter Schlafstörungen leidet, sollte abends nicht mehr viel und schwer essen. Am besten ist es, wenn Sie gegen 18 h die letzte feste Mahlzeit einnehmen. Viele Menschen werden auch unruhiger, wenn sie abends noch Rohkost zu sich nehmen. Für jeden mit Schlafstörungen gilt (besonders, wenn er eher fröstelig ist): Nach 15 h kein rohes Obst, Gemüse oder Salat! In letzter Zeit schwappt von Amerika eine neue Modewelle herüber: Das Dinner-cancelling. Ich bin zwar etwas skeptisch gegenüber allem, was von jenseits des Atlantik als Rettung der Menschheit propagiert wird und auch bei den immer zahlreicher werdenden Anglizismen habe ich so meine Bedenken. Aber das Dinner-cancelling stellt wirklich einen großen Wurf dar. Wenn Sie abends eingeladen sind und sagen, dass Sie heute Abend fasten wollen, dann wird das nicht dazu beitragen, Ihre Beliebtheit zu steigern. Sagen Sie aber, dass Sie heute unbedingt Dinner-cancelling machen müssen, dann sind Sie cool und in. Man hat tatsächlich festgestellt, dass beim Verzicht auf die Abendmahlzeit die Melatoninwerte in der Nacht höher sind. Dinner-cancelling kann also helfen, Schlafstörungen zu minimieren, ist ein Bestandteil der Anti-Aging-Medizin (Kalorienrestriktion, Fasten und/oder Dinner-cancelling sollen jung halten) und Sie nehmen als „Nebenwirkung“ auch noch ab (siehe auch Übergewicht).

Vermeiden Sie Schlafmittel/Tranquilizer!
Natürlich kann es einmal psychische Situationen geben, in denen der Arzt berechtigt einen
Tranquilizer verordnet. Es kann auch einmal notwendig sein, bei starken Schlafstörungen für eine Nacht ein Schlafmittel zu geben, damit mal wieder eine Nacht halbwegs durchgeschlafen wird. Eine Dauerlösung kann und sollte dies aber gerade bei Schlafstörungen nicht sein (siehe oben: Was können Sie vom Arzt erwarten?). Mit der regelmäßigen Einnahme von Schlafmitteln/Tranquilizern werden Schlafstörungen erst manifestiert! Versuchen Sie daher – wenn irgend möglich -, ohne diese Mittel auszukommen. Wenn Sie sie bereits regelmäßig einnehmen, dann sollten Sie sich unter Einsatz aller hier erwähnten Hinweise langsam und stufenweise entwöhnen. Nach längerer kontinuierlicher Einnahme (z.B. mehr als eine Woche hintereinander) ist ein normaler Schlaf ohne diese Mittel praktisch nicht mehr möglich. Wird ein solches Mittel dann abrupt abgesetzt, sind die Schlafstörungen noch wesentlich stärker als vor Beginn der Einnahme des Mittels. Es kann mehrere Tage bis Wochen dauern, bis Sie wieder zu einem normalen Schlaf ohne Schlafstörungen zurückfinden. Das Absetzen eines Beruhigungsmittels nach einer längeren Behandlung von Schlafstörungen sollte daher niemals plötzlich erfolgen, sondern langsam und stufenweise. Beispielsweise kann die Dosis wochenweise um ¼ der Dosis reduziert. Gleichzeitig sollten die unten beschriebenen Maßnahmen zur natürlichen Behandlung von Schlafstörungen unterstützend angewendet werden. Bei einer Umstellung auf ein flüssiges Beruhigungsmittel kann die Dosis noch langsamer (tropfenweise Reduktion) reduziert werden. Der Beruhigungsmittelabhängige muss sich aber darüber im Klaren sein, dass ein Entzug einen sehr langen, mitunter sehr quälenden Weg darstellt, der viel Kraft und Geduld erfordert. Das Endziel – eine Leben ohne Schlafstörungen und ohne chemische Medikamente – lohnt aber den Aufwand.

Bewegen Sie sich genug, aber nicht zuviel!
Schon die Bibel sagt: „Wer arbeitet, dem ist der Schlaf süße.“ (Prediger Salomo Kap. 5 Vers 11). Wir sind heute (fast) alle Leichtarbeiter – zumindest was das Körperliche angeht. Egal ob wir „Schreibtischtäter“ sind oder als Hausfrau die Möglichkeiten moderner Haushaltstechnik nutzen, körperlich wirklich erschöpfende Tätigkeit kennen wir eigentlich nur noch von sportlicher Betätigung. Wer hat nicht schon erlebt, wie er nach einer 30 km-Wanderung, einem 5-Satz-Tennismatch oder einem ganzen Tag auf der Loipe oder Piste abends „tot“ ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen ist? Warum bauen wir körperliche Betätigung denn nicht regelmäßig in unseren Alltag ein? Dreimal in der Woche eine halbe bis eine Stunde Sport baut nicht nur Kalorien, sondern auch Stress ab. Je aktiver wir am Tag sind, desto eher fordert der Körper in der Nacht sein Recht auf Passivität und Regeneration. Doch Vorsicht: Spät am Abend kann sportliche Betätigung – besonders wenn es sich um wettbewerbsorientierten Sport oder eine Leistung nahe an der Grenze des Möglichen handelt – auch einmal „aufdrehen“ und Schlafstörungen verstärken. Also auch beim Sport gilt: Gelassenheit vor Leistungsdenken!

Pfarrer Kneipp hilft!
Wenn man dem Spielfilm über das Leben von Sebastian Kneipp Glauben schenkt, dann hat er sogar den Papst von seinen Schlafstörungen befreit. Abends noch mal ein kalter Unterschenkelguss oder eine ausgewrungener nasser Socken für die Bettruhe kühlt die Füße ab. Reaktiv kommt es aber zu einer Erwärmung der Füße. Hierdurch wird Blut aus dem Kopf abgezogen, was gerade bei Kopfarbeitern und Grüblern für Entspannung sorgt. Sind die Füße bereits sehr kalt und ist das sogar eine Mitursache für die Schlafstörungen, dann ist besser, Wärme zuzuführen. Ein ansteigendes Fußbad tut hier Wunder. Gießen Sie angenehm warmes Wasser in eine Fußbadewanne. Dann gießen Sie alle paar Minuten heißes Wasser hinzu, so dass es die Füße gerade noch gut ertragen können. So können Sie schrittweise, eben „ansteigend“ Temperaturen erreichen, die gleich zu Beginn nicht möglich gewesen wären. Die Füße, aber auch der ganze Körper werden hierdurch sehr gut erwärmt. Meist stellt sich hierdurch eine wohlige Entspannung ein, die den lästigen Schafstörungen entgegenwirkt. Ein weiterer guter Tipp bei Schlafstörungen mit kalten Füßen ist ein warmes Lavendelfußbad. Füllen Sie eine Fußbadewanne mit warmem bis heißen Wasser (es sollte noch gut erträglich sein). Dann geben Sie 1 EL einer Lavendeltinktur hinzu. Das warme Wasser wirkt entspannend, der Lavendelduft steigt auf und wirkt als
Aromatherapie beruhigend auf das zentrale Nervensystem. Manche Menschen mit Schlafstörungen schwören auf die vegetativ ausgleichenden Wirkungen der Sauna. Doch auch hier Vorsicht: Zu starke Reize können wiederum „aufdrehen“. Probieren Sie es aus und beobachten Sie die Wirkung auf Ihre Schlafstörungen.

Sorgen Sie für das richtige Bett und die richtige Umgebung!
„Wie man sich bettet, so liegt man.“
weiß ein deutsches Sprichwort. Viele Menschen mit Schlafstörungen haben ein zu hartes oder zu weiches Bett. Das Kopfkissen kann zu flach oder zu dick sein. Lassen Sie sich vom Fachhändler beraten. Doch kaufen Sie nicht gleich das erstbeste Angebot. Seriöse Händler lassen auf ihren Matratzen auch schon mal Probeschlafen. Haben Sie viele Elektrogeräte im Schlafzimmer oder gar eine Telefon- oder Handy-Station. Probieren Sie einmal völlig ohne „Elektrosmog“ zu schlafen. Ändert dies Ihre Schlafstörungen? Dann ziehen Sie die richtigen Konsequenzen. Schlafen Sie vielleicht im Urlaub oder bei Freunden viel besser? Dann ist vielleicht der Schlafplatz schuld. Schlafen Sie doch einmal mit dem Kopf am Fußende, stellen Sie das Bett an einen anderen Ort im Schlafzimmer oder an einen ganz anderen Platz in der Wohnung. Werden darunter die Schlafstörungen weniger? Probieren geht auch hier über studieren.

und vergessen Sie auch nicht die richtige Einstellung!
Schlaf ist für den Menschen, was das Aufziehen für die Uhr.“
behauptete schon der Philopsoph Arthur Schopenhauer. Wir gewinnen unsere verbrauchte Energie – körperlich, geistig und seelisch – beim Schlafen zurück. Aber noch einmal: Wir können den Schlaf nicht erzwingen, wir können ihn nur zulassen. Dazu müssen wir auch Loslassen – von unseren Gedanken und von unseren Sorgen: „Denken Sie das Richtige – oder gar nichts!“ (Erich Fried). Oder auch: „Wenn man schlafen geht, soll man die Sorgen in die Schuhe stecken.“ (Anonymus) Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. 

Das Thema „Schlafstörungen“ ist trotz der beiden umfangreichen Artikel sicher nicht erschöpfend abgehandelt. Trotzdem glaube ich, dass hier so viele Tipps vorkommen, dass die meisten Schlafstörungen erfolgreich damit behandelt werden können. Probieren Sie die Hinweise aus. Viele können Sie gleichzeitig praktizieren – je mehr, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit eines Erfolges. Manches sind „Reserve-Tipps“, wenn die anderen nicht funktionieren, z.B. die Anschaffung einer neuen Matratze oder die Labordiagnostik. Wenn Sie keinen Arzt finden, der diese Diagnostik bei Ihren Schlafstörungen durchführen kann, stehe ich Ihnen gern in meiner naturheilkundlichen Privatambulanz zur Verfügung.

Viel Erfolg…und schlafen Sie gut!

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Natürlich gesund

ISBN: 9783830422211
EUR [D] 24,95 / EUR [A] 25,70
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Volker Schmiedel

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Das Selbstbehandlungsbuch
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Auflösung der Quizfrage: 

Richtig ist e) Weißdorn.
Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume enthalten beruhigende Bestandteile. Der Weißdorn ist ein typisches Mittel bei Herzschwäche. Indirekt über eine Verbesserung der Herzfunktion könnte ein hierdurch gestörter Schlaf zwar auch einmal gebessert werden, eine typische „Schlafpflanze“ ist der Weißdorn aber nicht.

Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.

Alle oben erwähnten Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.

Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
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