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Phytoöstrogene ©

Teil 2 - Phytoöstrogene zur Hormonersatztherapie in den Wechseljahren 


Phytoöstrogene - Einleitung

Die Hormonersatztherapie (HET), siehe in Teil 1- www.1-medikamente.de/hormonersatztherapie/,  für Frauen in und nach den Wechseljahren ist in Verruf gekommen, weil sie das Auftreten von Erkrankungen wie Brustkrebs oder Herzinfarkt offenbar eher begünstigt als verhindert. Eine solche risikobehaftete Hormontherapie wird überflüssig, wenn es mit naturheilkundlichen Methoden (z.B. mit Phytoöstrogene n) gelingt, die Beschwerden auf ein erträgliches Maß zu lindern. 

Das Klimakterium (Wechseljahre) bezeichnet den Übergang von der Geschlechtsreife in das Senium (Alter). Während früher Frauen nach den Wechseljahren tatsächlich oft bereits senil wirkten, ist dies heute meist nicht mehr der Fall. 

Die periodisch etwa alle vier Wochen ablaufenden hormonellen Veränderungen der Frau mit den physiologischen Prozessen Ovulation (Eisprung) und Menstruation (Monatsblutung) werden unregelmäßiger und bleiben schließlich ganz aus. Diese Umstellungsphase kann (muss aber nicht) von zahlreichen vegetativen Beschwerden begleitet sein: Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Herzjagen, Kopfschmerz, Migräne, Schlafstörungen, körperlicher Erschöpfung, seelischer Niedergeschlagenheit und Stimmungsschwankungen. 

Erstaunlich ist dabei, dass viele Frauen keine oder nur geringe Beschwerden angeben, manche aber unter den Beschwerden so stark leiden, dass sie deswegen therapeutische Hilfe aufsuchen. 

In den Wechseljahren ändert sich häufig nicht nur die hormonelle Situation: Die Kinder verlassen das Haus, es gibt Konflikte mit den heranwachsenden oder erwachsenen Kindern; die eigenen Eltern werden hilfe- oder pflegebedürftig oder sterben sogar; der Partner befindet sich in dieser Zeit oft auf dem Höhepunkt seiner beruflichen Laufbahn, hat vielleicht wenig Zeit für die Nöte seiner Frau oder wird in dieser Zeit arbeitslos, erwerbsunfähig bzw. berentet und muss von der Frau dann noch „mit versorgt“ werden. 

Phytoöstrogene - Bringen Sie Ordnung in Ihr Leben! 

Diese Belastungssituationen können die Frau im Klimakterium derart überfordern, dass sie sich unbewusst in Krankheitssymptome „flüchtet“. Wechseljahrsbeschwerden können bei solchen psychischen Belastungen entstehen oder verstärkt wahrgenommen werden. Auffällig ist, dass Frauen aus höheren sozialen Schichten, mit höherem Bildungsstand und mit vielfältigeren Interessen im Durchschnitt geringere Wechseljahrsbeschwerden angeben. Hier existieren offensichtlich bessere Verarbeitungsstrategien bei Problemen. Möglicherweise schaffen diese Frauen sich durch eigene Aktivität (z. B. in Vereinen, Selbsthilfeorganisationen, Parteien oder an der Volkshochschule) sinnvolle Aufgaben, die sie fordern und die ihnen Befriedigung verschaffen. 

Von ganz entscheidender Bedeutung ist die eigene Einstellung zum Altern und den damit verbundenen Veränderungen. Sehe ich die notwendige Loslösung der Kinder vom Elternhaus als Belastung, als unwiederbringlichen Verlust an oder sehe ich darin gerade eine Chance für mich: kann ich endlich all die Pläne in Angriff nehmen, die ich schon immer umsetzen wollte? 

Natürlich soll nicht alles in die „Psychokiste“ geschoben werden. Es gibt noch andere Ursachen klimakterischer Beschwerden. Die hier angesprochenen psychosomatischen Aspekte sind aber auf jeden Fall zu bedenken, bevor der Rezeptblock gezückt wird. 

Seit mehr als 40 Jahren werden Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) in der naturheilkundlichen Behandlung klimakterischer Beschwerden eingesetzt. Die guten erfahrungsheilkundlichen Erfolge haben sich mittlerweile durch wissenschaftliche Studien bestätigt. So führt eine Therapie mit Cimicifuga bereits nach wenigen Wochen bei mehr als 80% der Frauen zu einer deutlichen Verminderung der Symptome. 

Phytoöstrogene - Traubensilberkerze: geprüft und bestätigt 

Traubensilberkerze, Cimicifuga racemosa

 

 

 

Man nimmt an, dass Cimicifuga einen östrogenartigen Effekt auf die östrogenempfindlichen Gewebe ausübt. Daher lag aber auch die Befürchtung nahe, dass dadurch – ebenso wie bei den Östrogenen – auch das Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs ansteigen könnte. Diese Befürchtung hat sich nicht bestätigt. In Tumorzellversuchen konnte sogar eine Hemmung der Proliferation (Gewebewucherung) dieser Zellen beobachtet werden. 

Heute geht man davon aus, dass Cimicifuga ein sog. Phyto-SERM ist. SERM steht dabei für „Selektiver Estrogen- (deutsch: Östrogen) Rezeptor-Modulator“. Dies bedeutet, dass auf Gewebe wie Herz, Nervensystem oder Knochen positive östrogenartige Effekte ausgeübt werden, jedoch nicht auf Brust- und Gebärmuttergewebe, wo Östrogene zu Krebs führen können. Darüber hinaus wurden mittlerweile noch dopaminartige Effekte nachgewiesen. Dopamin ist ein Botenstoff des Nervensystems, was einige der günstigen Wirkungen auf das Befinden erklären könnte. 

Beispiele für Traubensilberkerzenpräparate sind: Remifemin® Lösung oder Tabletten (mit diesem Präparat wurden die meisten Studien durchgeführt), Jinda® Tabletten oder Femikliman® uno. Wichtig ist, dass pflanzliche Präparate ausreichend dosiert werden. Bei Cimicifuga liegt die therapeutische Dosis bei 40 mg täglich. 

Vergleicht man Frauen in den Wechseljahren in verschiedenen Regionen der Welt, stellt man fest, dass Asiatinnen – im Vergleich mit Frauen in westlichen Industrienationen – nur etwa 10-30% der Wechseljahrsbeschwerden angeben. Wenn Japanerinnen aber nach Amerika auswandern und die dortige Lebensweise annehmen, entwickeln sie dieselben Beschwerden wie die Amerikanerinnen. 

Auf der Suche nach Ernährungsfaktoren, die vor klimakterischen Symptomen schützen, wurden in verschiedenen Nahrungsmitteln Isoflavonoide und Lignane nachgewiesen. Diese „Phytoöstrogene“ wirken viel schwächer als die im Körper vorkommenden natürlichen oder künstlich synthetisierten Östrogene, sie kommen bei entsprechender Ernährung aber in einer Dosis vor, die teilweise dem hundertfachen der selbst oder künstlich hergestellten Hormone entspricht. 

Paradox mutet es an, wenn die Wissenschaft behauptet, dass diese Phytoöstrogene sowohl östrogenartig als auch antiöstrogenartig wirken. Wie ist dieser Widerspruch zu erklären? Wenn gleichzeitig hohe Spiegel von Phytoöstrogene n und körpereigenen (von den weiblichen Eierstöcken produzierte Östrogene) vorhanden sind, konkurrieren beide Sorten um die Östrogenrezeptoren, also die Bindungsstellen dieser Hormone im Gewebe. Viele dieser Rezeptoren werden dann von den nur schwach wirksamen Phytoöstrogene n besetzt, so dass die stärkeren Östrogene nicht zum Zuge kommen. Es resultiert also eine relative antiöstrogenartige Wirkung der Phytoöstrogene. Darauf wird die deutlich verringerte Brustkrebsrate von japanischen Frauen (nur etwa 1/5 im Vergleich zu Europäerinnen) zurückgeführt. 

Wenn dagegen die körpereigene Östrogenproduktion versiegt, können nur noch die Phytoöstrogene an die Rezeptoren andocken und dort eine schwache Östrogenwirkung entfalten, die nicht vorhanden wäre, wenn keine Phytoöstrogene mit der Nahrung aufgenommen würden. Mit dem Rückgang der körpereigenen Östrogenproduktion wirken Phytoöstrogene also pro-östrogen. Dies erklärt die deutlich weniger auftretenden Wechseljahrsbeschwerden bei Asiatinnen. 

Phytoöstrogene - Kann man Hitzewallungen mit Soja „wegessen“?

Worin sind Phytoöstrogene enthalten? Die Hauptquelle sind Sojaprodukte, in deutlich geringerem Maß sind sie auch in Sesam, Leinsamen, Weizen- und Roggenvollkornprodukten enthalten. Eine Nahrung, die reich an diesen Substanzen ist, vermag durchaus vor Wechseljahresbeschwerden zu schützen. Die Mengen an Phytoöstrogene n, wie sie Japaner aufnehmen, können mit einer westlichen Kost aber kaum realisiert werden, wenn nicht täglich größere Mengen an Sojaprodukten verzehrt werden. 

Deswegen gibt es inzwischen zahlreiche Nahrungsergänzungspräparate auf dem Markt, die Sojaisoflavone enthalten. Sie sind durchaus in der Lage, Wechseljahrsbeschwerden zu lindern, wenn sie in einer entsprechenden Dosis (etwa 40-80 mg Isoflavone täglich) eingenommen werden. Die Symptome werden dabei um 40-45% reduziert, während Placebo nur zu einer Minderung von 20-25% führt. 

Ob Phytoöstrogene ein Brustkrebsrisiko darstellen, ist bisher unklar und umstritten. Einige Wissenschaftler vermuten, dass Phytoöstrogene in einem östrogenreichen Milieu (also vor den Wechseljahren) aufgrund ihrer relativen anti-östrogenartigen Wirkung vor Brustkrebs schützen, in einer relativ östrogenarmen Umgebung (also nach den Wechseljahren) aufgrund ihrer pro-östrogenartigen Wirkung evtl. sogar schaden könnten. Darauf deuten Studien hin, die zeigen, dass Frauen vor der Menopause umso weniger an Brustkrebs erkranken, je höher ihr Sojakonsum ist. Für die Zeit nach den Wechseljahren konnte dieser schützende Effekt nicht nachgewiesen werden. Zumindest bei Frauen mit Brustkrebs (östrogenrezeptorpositiv) würde man daher aus Sicherheitsgründen von der Zufuhr von Phytoöstrogene n (Nahrungsergänzungen, große Mengen von Soja) abraten. 

Auch „klassische“ Nahrungsergänzungsmittel (Vitamine, Mineralien) können bei Wechseljahrsbeschwerden helfen. In einigen Untersuchungen konnte durch Vitamin E in einer Dosierung von 800 I. E. täglich eine Reduktion der Wechseljahrsbeschwerden erreicht werden. Die Wirkung von Vitamin E wird noch unterstützt, wenn 1-2 g Vitamin C täglich dazu eingenommen werden. 

Bestehen Schlafstörungen oder eine Neigung zu Depression, kann die Aminosäure Tryptophan (bei Schlafstörungen 2 g zur Nacht, bei Depression 3x0,5 g oder 2x1 g tgl.) eine Besserung bewirken. Besteht zusätzlich ein starker Heißhunger auf Süßes, so könnte ein Serotoninmangel vorliegen. Die Zufuhr der Serotoninvorstufe 5-HTP kann dann zumindest diese Beschwerden deutlich mindern. 

Bleiben wir bei den Hormonen: die Östrogenvorstufe DHEA zeigt einen kontinuierlichen Rückgang im Alter. Ist dieser Rückgang jedoch stärker als es dem Alter entspricht, so kann auch entsprechend weniger körpereigenes Östrogen gebildet werden. Die Zufuhr von DHEA kann – bei einem nachgewiesenen Mangel – die Beschwerden lindern – besonders dann, wenn die Beschwerden auch mit einem Burnout-Syndrom verbunden sind. 

Phytoöstrogene - Erfolgversprechende homöopathische Mittel 

In der Homöopathie werden im Prinzip solche Substanzen eingesetzt, die in der Arzneimittelprüfung beim Gesunden jene Symptome erzeugen, die sie beim Kranken mindern oder auflösen können. Nachfolgend werden einige Mittel angegeben, die bei Wechseljahrsbeschwerden Erfolg versprechend sind, wenn die Symptomatik des Mittels mit der Patientin gut übereinstimmt:

Acidum sulfuricum D6 3x1 oder D12 1 Tbl. tgl.: Hitzewallungen, Erschöpfung nach Schweißausbruch, kalter, saurer, klebriger Schweiß, berührungsempfindlich, reizbar, ungeduldig, feucht-kaltes Wetter verschlechtert, Wärme bessert. 

Aristolochia D12 (1 Tbl. tgl.): frostig, Nachtweiß, stechende, reißende Gelenkschmerzen, gedrückte Stimmung, weinerlich, Bewegung, frische Luft, wieder einsetzende Menstruation bessern. 

Cimicifuga racemosa D3, D4 oder D6 (3x1 Tbl. tgl.): depressiv, verzweifelt, mitunter hysterisch, unruhig, häufiger Wechsel zwischen körperlichen und seelischen Symptomen, Migräne, Funktionelle Herzbeschwerden, nasskaltes Wetter verschlechtert.

Lachesis D6 (3x1 Tbl. tgl.): Hitzewallungen mit Schweißausbruch und Beklemmungsgefühl, „Kloß im Hals“, redselig, depressiv, eifersüchtig, enge Kleidung wird nicht vertragen, Schlaf oder Wärme verschlechtern, Bewegung bessert. 

Sepia D3, D4 oder D6 (3x1 Tbl. tgl.): Depression und Hitzewallungen, Gebärmutter drängt nach unten, heißer Kopf und kalte Füße, morgens ist alles schlimmer, stickige Zimmerluft verschlechtert, Anwesenheit vieler Menschen verschlechtert, Bewegung oder frische Luft bessern. 

Sulfur D4 oder D6 (3x1 Tbl. tgl.) oder D12 (1 Tbl. tgl.): Hitzewallungen mit trockener Hitze, durstig, später übel riechende Schweiße, Hautbrennen, muss sich nachts aufdecken oder Füße aus dem Bett strecken, Schlaf gestört, depressiv, vergesslich, flauer Magen um 11.00 Uhr morgens, nachts schlechter, Bettwärme verschlechtert, Nässe oder Kälte verschlechtern, Wärme oder trockenes Wetter verbessern. 

Manchmal ist es aufgrund der Symptomatik nicht ganz einfach, das genau passende homöopathische Einzelmittel zu finden. Dann kann ein homöopathisches Komplexmittel mit einer Kombination bewährter Mittel weiterhelfen. In Frage komme dabei Cefakliman®, Bomaklim Complex®, Klimakto-Heel®

Phytoöstrogene - Reflexzonenmassage und Neuraltherapie unterstützen 

Von den zahlreichen weiteren Methoden, die in Frage kommen, sollen hier nur drei kurz erwähnt werden:

Fußreflexzonenmassage nicht nur der entsprechenden gynäkologischen und endokrinologischen (Drüsen)-Zonen kann eine gute lindernde Wirkung haben.

Neuraltherapeutisch haben sich Injektionen an die Schilddrüse und/oder den gynäkologischen Raum zur Verbesserung des subjektiven Wohlbefindens bewährt. 

Die „alten“ ausleitenden Verfahren sollte man bei Wechseljahresbeschwerden nicht vergessen, vor allem an das Schröpfen oder das Cantharidenpflaster in den Zonen „Genitale“, „kleines Becken“ und „Bluthochdruck/Depression“ wäre zu denken. Bei Füllezuständen hat sich auch das blutige schröpfen in diesen Bereichen bewährt. Ein monatlicher kleiner Aderlass vermag den „natürlichen Aderlass“ der Menstruation nachzuahmen und sorgt so für Entlastung. 

Phytoöstrogene - Bewährte Heilpflanzentees 

Salbeitee (Salbeiblätter): bei starkem Schwitzen
Zubereitung: 1 TL pro Tasse, mit heißem Wasser übergießen, 5 Min. ziehen lassen, 2-3 Tassen tgl. trinken, nicht länger als 6 Wochen 

Herztee (Weißdornblüten 30g, Maiglöckchenkraut 30g, Melissenblätter 20g, Baldrianwurzel 20g) bei Herzklopfen
Zubereitung: 2 TL pro Tasse, heiß übergießen, 10 Min. ziehen lassen, morgens und abends 1 Tasse trinken, nicht länger als 4 Wochen 

Nerventee (Melissenblätter 30g, Johanniskraut 20g, Lavendelblüten 20g, Pommeranzenschalen 10g) bei nervöser Unruhe
Zubereitung: 1 TL pro Tasse, heiß übergießen, 10 Min. ziehen lassen, 2-3 Tassen tgl. trinken. 

Rund um die Hormone:

Alternative Hormontherapie/Phytoöstrogene - in den Wechseljahren
Hormone / Hormonersatztherapie -
das böse Erwachen aus einem schönen Traum
DHEA - das Anti-Aging-Hormon?
Melatonin - der Bote der Nacht
Serotonin - das „Glückshormon“

Viel Erfolg bei der Behandlung!

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck. www.naturarzt-access.de 

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Aktualisiert: Juni 2010

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