Natürliche Lebensweise oder Warmduscher? Wasch mir den Pelz - aber mach mich nicht nass Sie merken es schon am Titel. Diesmal dürfen Sie sich wieder eines polemischen Artikels erfreuen. Nebenbei: Sie sind selbst schuld daran. Da ich auf meine „politisch unkorrekten“ Newsletter stets mehr (und weit überwiegend positive) Resonanz erhalte als auf meine informativen Beiträge, scheint Ihr Bedürfnis nach klaren und mitunter satirischen Äußerungen größer zu sein und wird hiermit wie gewünscht befriedigt.
Kennen Sie auch die
Fernsehwerbung, bei der ein Mann unter der Dusche vom kalten Wasser abgeschreckt
wird? Anschließend erläutert eine freundliche Stimme, dass man das
Das ist doch mal überzeugend:
Man tut etwas für das
Natürliche Lebensweise - muss die automatisch teurer sein? Trotzdem reißen die Konsumenten den Herstellern die neuen Probiotik-Joghurts buchstäblich aus den Kühlregalen. Liegt das vielleicht auch an dem etwa dreifach erhöhten Preis? Dieser Preis ist übrigens durch nichts gerechtfertigt, da die Joghurtherstellung mit verschiedenen Keimen kaum anders sein dürfte. Was teuer ist, muss aber doch gut sein. Und wenn etwas teuer ist, kann der Hersteller damit enorme Profite erzielen, von denen er einen Teil ins Marketing steckt, was ihm neue Käuferschichten erschließt.
Der arme Verbraucher bezahlt
einen hohen Preis für ein leeres Versprechen und seine eigene Bequemlichkeit.
Gesunde nährstoffreiche
P.S.: Liebe Hersteller der pro-biotischen Joghurts Activia®, Actimel®, LC1®, Yakult® etc, wenn Ihr wirklich überzeugende Daten für einen Infektionsschutz durch eure Joghurts habt, bitte ich um Zusendung. Ich werde dann umgehend Abbitte tun und vom agnostischen Saulus zum probiotischen Paulus werden. Natürliche Lebensweise - aber bitte mit Sahne! Bleiben wir ruhig beim Joghurt. Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass es mittlerweile in den Supermärkten fast nur noch besonders milde Sahnejoghurts gibt. Zugegeben, sie streicheln geradezu die Zunge, haben die in langen Forschungsreihen ermittelte richtige Süße und überzeugen durch einen angenehm fruchtigen Geschmack – auch wenn dieser weniger von natürlichen Früchten als vielmehr aus den Retorten der chemischen Industrie stammt. Unglaublich aber wahr: in umfangreichen Geschmackstests bevorzugten die Joghurtesser meistens den Joghurt mit Geschmacksaromen, die aus Holzabfällen und mit viel Chemie entstanden waren, und ließen den Joghurt mit den richtigen Früchten stehen. Eigentlich nicht verwunderlich, welche Joghurts die Hersteller zukünftig produzieren werden.
Doch unser wohlschmeckender Sahnejoghurt hat einen gravierenden Nachteil: Er schmeckt nicht mehr nach Joghurt. Vor einigen Jahren durfte ich auf einer Griechenlandreise in einer Taverne in der Nähe des antiken Sparta einen ursprünglichen, griechischen Joghurt mit kalt geschleudertem Honig genießen. Ich war vom Geschmackserlebnis überwältigt. Ja, er schmeckte zwar etwas säuerlich und entsprach so überhaupt nicht unserem cremig-milden Einheitsbrei, den wir hinunterzuschlingen pflegen. Aber er schmeckte eben wie richtiger Joghurt! Natürliche Lebensweise - sauer macht lustig – aber erst nach drei Tagen Säure scheinen wir überhaupt nicht mehr zu mögen. Neulich habe ich im Radio Werbung für Fruchtsäfte gehört, die besonders mild sind, weil ein Teil der Säure entfernt wurde. Wie bitte? Ein Apfelsaft muss doch ein wenig, ein Grapefruitsaft sogar deutlich sauer schmecken. Im Übrigen: Die Fruchtsäuren von Obst und Säften führen nicht zu einer Übersäuerung des Organismus, wie gern angenommen wird. Im Gegenteil werden die Fruchtsäuren sogar basisch verstoffwechselt. In diesem Sinne bekommt das obige Sprichwort sogar eine biochemische Bestätigung.
Ein Smoothie sieht lecker aus
und ist allemal gesünder als Süßigkeiten. Ganz schlimm finde ich auch die Unsitte des zunehmenden Konsumes von Smoothies. Natürlich ist ein Smoothie als Zwischenmahlzeit ernährungsphysiologisch immer noch etwas wertvoller als eine Milchschnitte, Müllers Milchreis oder ein Knoppers, aber auch hier sehen wir wieder einen verhängnisvollen Trend zur Verweichlichung. Smoothies schmecken in der Regel – nomen est omen – sanft und weich. Sie sind nicht sauer und man muss nichts kauen. Smoothies fördern daher den Hang unserer Bevölkerung nach Bequemlichkeit. Dabei schaffen sie auch noch ein gutes Gewissen: Ich habe doch quasi ein Stück Obst, also etwas Gesundes, verzehrt. So einfach wollen wir es uns dann doch nicht machen. Nach der „5 am Tag-Regel“, die uns den Verzehr von fünf faustgroßen Stücken Obst oder Gemüse empfiehlt, dürfen wir ein Stück auch in Form eines Glases Frucht- oder Gemüsesaft verzehren. Der Saft darf dabei auch durch ein Smoothie ersetzt werden – so lange der Smoothie aus reinen Früchten ohne Zusatzstoffe oder Zucker hergestellt wurde. Aber mehr als ein Glas Saft, alternativ ein Smoothie, sollte es aber nicht sein, damit wir auch noch die wertvollen Ballaststoffe und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe zu uns nehmen, die bei der Produktion von Saft oder Smoothie teilweise verloren gehen. Neben der thermischen Verweichlichung haben wir nun auch noch einige Beispiele einer fatalen und immer mehr um sich greifenden gustatorischen (dem Geschmack zugehörigen) Verweichlichung kennen gelernt. Das gibt`s doch nicht: Freizeitsportler mit Angst vor Bewegung Es kommt aber noch schlimmer: Mein Fitnessstudio liegt auf dem Heimweg von der Arbeit. Meine Sporttasche liegt immer gepackt im Auto, so dass es mir recht leicht fällt, nach der Arbeit noch zwei- bis dreimal pro Woche einen kleinen Umweg einzulegen. Um vom Parkplatz in der Tiefgarage in das Sportstudio zu gelangen, muss man ganze zwei Treppen ersteigen, was für fitnessgestählte Sportler doch eigentlich kein Problem darstellen dürfte. Weit gefehlt! Ich registriere immer wieder mit ungläubigem Erstaunen, dass Freizeitsportler zwei Stockwerke mit dem Fahrstuhl fahren, damit sie anschließend auch noch genug Energie haben, um sich eine Stunde an den Geräten Muskelpakete anzutrainieren und einen Liter Schweiß am Crosstrainer zu lassen.
Bewegung im Fitnessstudio ist gut – aber auch die Bewegung im Alltag sollten wir nutzen Ist es nicht komisch, dass wir monatlich einen erklecklichen Betrag ausgeben, um uns körperlich zu betätigen, die kostenlosen Reize aber, die uns der Alltag z. B. in Form von Treppen steigen oder dem Gang zu Fuß zum nächsten Supermarkt bietet, vernachlässigen wir sträflich. Wenn Sie in einem überfüllten und lauten Kaufhaus einen Ort erholsamer und paradiesischer Stille aufsuchen möchten, dann habe ich hier den ultimativen Tipp für Sie parat: gehen Sie ins Treppenhaus, dort ist es angenehm ruhig, da jeder Kunde Rolltreppe oder Fahrstuhl benutzt, aber nicht die Treppe. Dabei könnten wir so ganz einfach Energie verbrauchen und die Leistungsfähigkeit erhöhen. Wenn wir nur fünf Minuten am Tag mit Treppen steigen verbringen, so sind dies im Jahr bereits mehr als 30 Stunden (nebenbei: mit Fahrstuhl oder Rolltreppe sind Sie keineswegs schneller). Schon bei langsamem Treppen steigen verbrauchen wir etwa 500 kcal pro Stunde, also im Jahr etwa 15.000 kcal. Da ein Kilogramm Körperfett ca. 7.000 kcal Energie speichert, könnten wir theoretisch nur mit gelegentlicher Benutzung einer Treppe anstelle eines Fahrstuhles nebenbei mehr als zwei Kilo Fett verbrennen – ohne zusätzlichen Besuch eines Sportstudios oder Einhaltung einer Diät. Fazit: Verweichlichung, wohin wir auch blicken So muss ich abschließend leider konstatieren, dass wir dazu tendieren, thermisch, gustatorisch und kinetisch (der Bewegung zugehörig) zu verweichlichen. Immer mehr Menschen wählen den bequemen Weg – das darf dann ruhig auch etwas mehr kosten, wenn es nur keine eigenen Mühen bedeutet. Das unselige „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“ beobachte ich immer mehr – sowohl im Alltag als auch in der Naturheilkunde.
Da werden dann teure
Ich möchte hier ganz klar dem Eindruck entgegenwirken, ich fordere von mir und meinen Patienten bedingungslose Askese und verfolge jede „Sünde wider eine natürliche Lebensweise“ mit unnachgiebiger Härte. Nein, die Zeiten, da wir „flink wie die Windhunde, zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl“ sein mussten, sind glücklicherweise vorbei. Aber das heute so moderne Weichspülen ist wohl auch nicht das Gelbe vom Ei.
„Hart wie Kruppstahl“ muss heute nicht mehr sein, aber verweichlichen müssen wir auch nicht „Gesundheit bekommst Du nicht im Handel, sondern durch den Lebenswandel!“ (Sebastian Kneipp). Gesundheit bekommen wir also nicht geschenkt. Wir können sie auch nicht kaufen, selbst wenn clevere Geschäftemacher aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, aber auch aus der Ärzte- und Heilpraktikerschaft uns das immer wieder weismachen wollen. Nein, wir müssen dafür schon ein gewisses Maß an Eigenverantwortung übernehmen. Damit ist keineswegs nur eine adäquate finanzielle Selbstbeteiligung gemeint, sondern vor allem ein aktives Mitwirken an der Gesunderhaltung. Egal ob wir dies nun „naturliche Lebensweise“ oder auf neudeutsch „lifestyle“ nennen – wir haben es selbst in der Hand, an unserer Gesundheit mitzuwirken. Ein bisschen „gesunde Härte“ kann da nur segensreich sein – dazu gehören u. a. das Kauen richtiger Nahrung (bei Joghurt und Smoothie müssen wir ja noch nicht einmal mehr unsere Beißwerkzeuge betätigen) sowie ein bisschen Bewegung.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz. Alle notwendigen Laboruntersuchungen können in der Inneren Abteilung der Habichtswaldklinik oder der Naturheilkundlichen Privatambulanz durchgeführt werden.
Informationen über das Therapieangebot der Inneren Abteilung:
Die
Klinik ist nach den Qualitätsgrundsätzen der DIN-EN ISO 9001zertifiziert. Unsere Klinik ist von allen gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland nach § 111 als Rehabilitationsklinik anerkannt. Wir sind außerdem von allen privaten Krankenkassen als gemischte Anstalt anerkannt. Die Kostenübernahme muss aber zuvor bei dem jeweiligen Kostenträger beantragt werden. Bei Rückfragen bezügl. der Kostenübernahme können Sie sich gerne an unseren Verwaltungsleiter, Herrn Schenk, wenden (Servicetel.: 0800 / 8 90 11 00, Tel.: 0561-3108-621, E-Mail) Weitere Fragen?
Telefon +49 (0) 56 1- 31 08 - 102 oder - 622
·
Impressum·
Anfahrt Servicetelefon 0800 / 8 90 11 00 · Info-Fax 0800 / 7 32 73 80 Haftungshinweis: |