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Heilfasten (Teil 3) ©

Fragwürdige „Argumente“ gegen das Heilfasten


Haben sie schon Teil 1 und Teil 2 meiner Heilfastenserie gelesen? Klicken Sie doch mal rein: www.heilfasten-1.de und www.fasten-1.de/heilfasten-buchinger 

Potentielle Einwände gegen das Heilfasten 

Da in schöner Regelmäßigkeit reißerische Berichte gegen das Heilfasten in der bunten Presse erscheinen, möchte ich an dieser Stelle diese „Argumente“ gegen das Heilfasten aufgreifen und dem aus naturheilkundlicher und fastenärztlicher Sicht mit fundiertem, physiologischem Wissen und eigener praktischer Erfahrung begegnen. 

„Heilfasten ist tödlich“ 

So war es erst jüngst wieder in der Laienpresse zu lesen. Dabei gibt es folgenden Hintergrund: Beim Heilfasten ist die Eiweißbilanz immer negativ, d.h. der Körper verliert mehr Eiweiß über die tägliche Zellmauser als er zuführt (im Heilfasten wird bis auf Spuren ja gar kein Eiweiß zugeführt). Da Eiweiß für den menschlichen Organismus lebensnotwendig ist und keine Eiweißspeicher existieren, kann das Heilfasten nur schädlich sein – so die plausible Argumentation. Der Herzmuskel wird abgebaut und es kommt zu tödlichen Herzkomplikationen. 

In der Tat ist schulmedizinisch nicht anerkannt, dass es Eiweißspeicher gibt – so wie es etwa Fett- oder Kohlenhydratspeicher gibt. Neuere anatomische und physiologische Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass diese These als überholt aufgegeben werden muss. Wir haben sehr wohl Eiweißspeicher. Dieser befindet sich in der so genannten Grundsubstanz (synonym: extrazelluläre Matrix, Bindegewebe). Hier befindet sich ein Netzwerk aus Zucker-Eiweißen (Proteoglykane und Glykosaminoglykane), außerdem Strukturweiße (Kollagen, Elastin) und Vernetzungseiweiße (Fibronektin, Laminin). Diese Eiweiße stellen ein molekulares Sieb zwischen Blutgefäßen und Zellen dar. Bei Über- und Fehlernährung häufen sich Eiweiße in der Matrix an. Dies konnte mittlerweile durch elektronenmikroskopische Aufnahmen bestätigt werden (Prof. Heine). 

Im Fasten werden auch Eiweiße abgebaut. Während dies von schulmedizinischen und heilfastenkritischen „Ernährungsexperten“ als ungünstig angesehen wird, ist nach Meinung erfahrener Heilfastenärzte hier gerade der Schlüssel zu den mitunter dramatischen Erfolgen des Heilfastens zu suchen. Im Heilfasten werden immer zuerst die Stoffe abgebaut und in Energie verwandelt, die am wenigsten benötigt werden. Wird dann das überschüssige Eiweiß aus der Matrix abgebaut, ist das nicht nur nicht schädlich, sondern sogar äußerst hilfreich, da dann die Transitstrecke zwischen Blutgefäß und Zelle geringer wird – Ver- und Entsorgung der Zellen gelingen besser, der Stoffwechsel wird beschleunigt. Die beachtlichen Erfolge des Heilfastens z.B. bei Bluthochdruck oder Diabetes mellitus sind oft weitaus größer als man dies von der reinen Gewichtsreduktion erwarten würde. Möglicherweise ist hierfür die „Enteiweißung“ der Bindegewebsmatrix mitverantwortlich. 

Abb. 1: Das Bindegewebe ist die Transitstrecke für alle Nährstoffe zu den
                                                         Zellen und für alle Abfallstoffe aus den Zellen
 

Beim Normal- bis Untergewichtigen, der nicht mit Eiweiß überernährt ist, kann die negative Eiweißbilanz schon bedeutsam sein. Bei Untergewichtigen, die z.B. wegen einer entzündliche Darmerkrankung unbedingt den antientzündlichen Effekt des Heilfastens ausprobieren wollen, kann ein Eiweißzusatz (z.B. Kurmolke, Sojamilch) im Heilfasten sinnvoll sein. Auch der Normalgewichtige, der deutlich länger als eine Woche fasten möchte, kann mit Eiweißzulagen etwas länger fasten. Gerade der Über- und Fehlernährte sollte keine Eiweißzulagen erhalten. 

Kritiker der Eiweißverluste beim Heilfasten sind übrigens nicht selten mit Unternehmen verbandelt, die Eiweißprodukte vertreiben. Es werden dann Diäten oder auch eiweißmodifiziertes Heilfasten mit solchen Zusatzprodukten empfohlen. Hier spielen mitunter auch ganz klare wirtschaftliche Interessen eine Rolle! In der Regel sind Eiweißzulagen im Heilfasten erstens nicht notwendig, zweitens oft sogar kontraproduktiv. 

Schaut man sich die Todesfälle einmal genau an, dann gab es meist Gegenanzeigen für das Heilfasten (z.B. bestimmte Vorerkrankungen des Herzens), die Faster haben unverhältnismäßig lange ohne ärztliche Kontrolle gefastet, ihre Medikamente nicht angepasst oder während des Fastens weiter geraucht, was dann sogar noch schädlicher ist. Es lagen also meist Fehler vor, die bei korrekter Durchführung des Heilfastens ganz einfach vermeidbar gewesen wären. Eine schulmedizinische Therapie wird ja auch nicht deswegen kritisiert, weil ein Anwender sie falsch durchgeführt hat und deswegen ein Schaden entstanden ist. 

„Es gibt keine Schlacken in unserem Körper“

Heilfastenärze und –kliniken werben oft mit der guten „Entschlackung“ des Heilfasten s. Kritiker behaupten hingegen, es gebe im menschlichen Körper gar keine Schlacken. Pathologen meinen gar, sie hätten schon tausende von Leichen seziert, aber noch nie irgendwelche Schlacken gefunden. In der Tat ist der Begriff der „Schlacken“ sehr schwammig und nirgendwo genau definiert – weder in der Schulmedizin, noch in der Naturheilkunde. Ich benutze ihn deshalb nicht gern, auch um Kritikern keine Angriffsfläche zu bieten. 

  Abb. 11: Schlacke in einer Eisenhütte – gibt es das in
                                                                                     unserem Körper?
 

Andererseits: Viele Menschen haben erhöhte Blutfette. Triglyceride und Cholesterin steigen bei Menschen in Industrienationen auf bedenkliche Höhen an. Sind das nicht auch Schlacken? Wir wissen heute, dass diese Blutfette zu den Risikofaktoren zählen, die die Verkalkung der Blutgefäße fördern. Wenn die Gefäße sich mit Fetten, Eiweißen, Cholesterin und zum Schluss auch mit Kalk langsam zusetzen und schließlich sogar völlig verstopfen können – sind das denn keine Schlacken? Hier haben wir doch sogar offensichtliche Parallelen zu Wasserleitungen, die verkalken, oder Schornsteinen, die verrußen. Und schauen wir uns die Grundsubstanz an (s.o.). Wenn sich hier durch Über- und Fehlernährung Zucker-Eiweiße ablagern und den Stoffaustausch behindern, sind hier nicht auch die berüchtigten Schlacken zu finden? 

Es gibt sie also schon, diese Schlacken. Auch wenn es sich nicht um einen wissenschaftlich exakten Begriff handelt. Nebenbei: Wir sollten die psychologische Komponente nicht vergessen. Wenn ich mir beim Heilfasten vorstelle, dass täglich alte, meine Gesundheit beeinträchtigende Schlacken abgebaut werden, dann hat allein diese Vorstellung für unseren Heilungsprozess nicht zu unterschätzende Vorteile. Wir wenden damit unbewusste positiv verstärkende Imaginationstechniken an. Dabei handelt es sich keineswegs um Einbildung – wie die wörtliche Übersetzung vielleicht vermuten ließe. Aus der Krebstherapie oder der Kardiologie wissen wir, dass wir allein mit unserer positiv besetzten Vorstellungskraft Heilung anstoßen und verstärken können: Das Immunsystem wird objektiv messbar leistungsfähiger, wenn ich mir vorstelle, wie Immunzellen die Krebszellen angreifen. Gefäßablagerungen können sich in gewissem Maße zurückbilden, wenn ich mir vorstelle, dass die Gefäße weiter werden. Warum sollen wir uns im Heilfasten nicht vorstellen, dass wir jeden Tag, den wir fasten, von alten, schädlichen Schlacken gereinigt werden?

„Heilfasten führt zu Mangelzuständen an Vitaminen und Mineralstoffen“ 

Im Heilfasten nach Buchinger führen wir weit weniger Vitamine und Mineralstoffe zu als von den Ernährungsgesellschaften empfohlen wird. Es muss daher zwangsläufig zu einem Mangel kommen. Dies kann unter Umständen sogar gefährlich sein. So hören wir es Kritikern des Heilfastens immer wieder. Dies wird auch Argument für den Einsatz von Eiweißzusatzpräparaten verwendet, da diese oft mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind und so für die Grundversorgung decken.

 Abb. 2: Vitamine und Mineralstoffe – führt Heilfasten zu einem Mangel? 

Was ist dem zu entgegnen? Ja, es ist richtig, dass das Heilfasten nach Buchinger trotz eines gewissen Einsatzes von Gemüsebrühe und Säften zu einem Nährstoffmangel führen kann. Bei einem Kurzzeitfasten von 5 bis 7 Tagen ist dies durchaus zu tolerieren. Der Körper ersetzt die geringen Defizite rasch durch die anschließende Nahrungszufuhr. Bei längerem Heilfasten entwickelt der Körper – ebenso wie beim Energieverbrauch – auch bei den Vitaminen und Mineralstoffen gewisse Sparmechanismen. Die täglichen Zufuhrempfehlungen gelten also im Heilfasten nur sehr eingeschränkt. Wir müssen ja bedenken, dass wir alle in unseren Genen die Fähigkeiten zum Heilfasten mitbekommen haben. Wir alle sind Nachfahren von Menschen, die in den letzten hunderttausend Jahren oft genug zwangsweise Fasten mussten und dies überlebt haben. Diejenigen, die längere Perioden ohne Nahrung aushalten konnten, ohne zu sterben oder schwerwiegende Schäden davonzutragen, sind unsere Vorfahren gewesen. Diejenigen, die dies nicht konnten, sind ausgestorben. Deshalb hat jeder von uns prinzipiell die Fähigkeit zum Heilfasten. 

 

Abb. 3: Der Urmensch musste notgedrungen fasten um zu überleben – inzwischen haben wir große Fortschritte gemacht 

Trotzdem können sich Nährstoffdefizite natürlich anhäufen, je länger das Heilfasten dauert. Insbesondere dann, wenn der Körper schon in einem Mangel das Heilfasten begonnen hat. Mangelzustände sind heutzutage durch Fehlernährung, Genussmittel, Medikamenten, erhöhte seelische Belastungen und körperliche Anforderungen oder auch durch Krankheiten weiter verbreitet als offiziell angenommen wird. 

Im Zweifelsfall untersuche ich meine Faster vorher auf die wichtigsten Nährstoffe und kann einem Mangel dann gezielt begegnen. Wenn schon Nährstoffmangelzustände bekannt sind oder vermutet werden, sollten die entsprechenden Nährstoffe im Heilfasten großzügig verabreicht werden. Seit einigen Jahren bekommen sicherheitshalber alle meine Faster von Beginn an Magnesium, Kalium und Kalzium, also die „großen“ Mengenminerale, um hier einem Mangel vorzubeugen. Seitdem gibt es übrigens auch weniger Schwierigkeiten an den ersten drei Fastentagen, also der wichtigen und mitunter schwierigen Übergangsphase. Das liegt unter anderem auch daran, dass diese Mineralien eine entsäuernde Wirkung haben – der Fastenstoffwechsel führt ja zu einer gewissen, vorübergehenden Azidose (Säuerung) des Organismus. Außerdem gebe ich meinen Fastern ein Multivitaminpräparat mit allen wichtigen Vitaminen in der empfohlenen Tagesdosis. Sind zur Behandlung von Krankheiten weitere Nährstoffe in hoher Dosis sinnvoll (z.B. Vitamin D bei Osteoporose), dann werden diese Stoffe natürlich auch weitergegeben. 

Inkompetente Kritik  

Einige Kritikpunkte am Heilfasten sind durchaus ernst zu nehmen. Die Kritik löst sich aber meist in Wohlgefallen auf, wenn bestimmte diagnostische und therapeutische Aspekte differenziert betrachtet werden. Leider verfügen die Kritiker meist über keine eigene Fastenerfahrung. Die Kritik wird vom Schreibtisch aus theoretischen Überlegungen heraus formuliert, ohne die Wirklichkeit jemals geprüft zu haben. Das wäre etwa so, als wenn ein Psychotherapeut urologische Operationsverfahren kritisieren würde. Wir würden eine solche Kritik – mit Recht – nicht sehr ernst nehmen. 

Neben solche pseudowissenschaftlichen oder ideologischen Argumentationen stehen nicht selten auch ökonomische Interessen im Vordergrund. Wenn jemand das Heilfasten kritisiert, aber ein modifiziertes Eiweißfasten favorisiert, dann steht der Kritiker meist in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Industrie, die diese Produkte produziert. Das Heilfasten hat leider keine große, starke Lobby, weil es sich um ein ganz einfaches, natürliches Verfahren handelt, mit dem sich keine Reichtümer erwerben lassen und bei der keine Geräte- oder Pharma-Industrie etwas verdienen kann. Der Preis des Heilfasten s ist, dass der Betroffene selbst aktiv tätig werden muss. Dies ist aber seine große Chance. Er kann Verantwortung für seine Gesundheit übernehmen. Er kann an seiner eigenen Heilung oder Gesunderhaltung mitwirken. Nutzen Sie diese Chance!

Die "Alte Römerbrücke" im Centovalli-Tal (Tessin)  Abb. 4: Heilfasten kann eine Brücke zur eigenen Gesundheit sein

Für individuelle Rückfragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung: schmiedel@habichtswaldklinik.de 

Selbstzahlerangebote für das Heilfasten unter:

http://www.habichtswaldklinik.de/Heilfasten_nach_Buchinger.html

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand).

Animationen animierte Augen

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Natürlich gesund

ISBN: 9783830422211
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Volker Schmiedel

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Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten stehe ich Ihnen im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in der naturkundlichen Privatambulanz.

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Aktualisiert: Juni 2010

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