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Die Gesundheitsreform ©  

– ein Schlag gegen die Naturheilkunde Fatale Auswirkungen der Gesundheitsreform  

Aus aktuellem Anlass diesmal kein gesundheitlicher Tipp (oder nur ein kurzer Tipp am Ende), sondern eine Polemik gegen die aktuelle Gesundheitsreform. Nun ist sie also durch! Keine Frage, wir müssen sparen. Die Menschen werden älter, chronische Erkrankungen nehmen zu, immer mehr wirksame und teure Verfahren und Medikamente kommen auf den Markt. Die Schere zwischen den Einnahmen und Ausgaben geht seit Jahren auseinander.

Jedem war klar, dass es so nicht weiter gehen konnte und dass schmerzhafte Einschnitte erfolgen mussten. Wobei nicht alles, worüber man sich jetzt lauthals beklagt, schlecht sein muss. Beispiel: Der Zahnersatz wird nicht mehr von den gesetzlichen Kassen übernommen. Werden in Zukunft Millionen Deutsche mit Zahnlücken und verfaulten Zähnen herum laufen? Schauen wir doch einmal über den deutschen Tellerrand hinaus. In der Schweiz hat die Zahngesundheit entgegen allen Erwartungen nicht abgenommen, seitdem der Zahnersatz aus der gesetzlichen Kostenübernahme heraus genommen wurde. Im Gegenteil, die Schweizer haben bessere Zähne als je zuvor. Wenn ich für etwas selbst verantwortlich bin – und das heißt in westlichen Gesellschaften: ich muss dafür bezahlen -, dann kümmere ich mich auch mehr darum. Traurig, aber wahr: Unser Verhalten wird mehr über den Geldbeutel als über die Vernunft bestimmt.

Ich möchte jetzt nicht alle Punkte der Gesundheitsreform kommentieren, sondern mir einen speziellen Aspekt heraus greifen, den ich wirklich kritisiere: In Zukunft sollen – bis auf wenige Ausnahmen – nur noch solche Medikamente zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden dürfen, die verschreibungspflichtig sind. Also nur noch Arzneimittel, die besonders stark, besonders wirksam (und besonders teuer) sind, sollen erstattet werden. Für „Mittelchen“, die nur bei leichten Befindensstörungen eingesetzt werden, soll selbst bezahlt werden. „Pülverchen“ und „Tinkturen“, bei denen umstritten ist, ob sie wohl überhaupt wirken, sollen auch nicht mehr erstattet werden. Davon erhoffen sich die Gesundheitspolitiker einen Teil der finanziellen Rettung unseres angeschlagenen Gesundheitssystems.

Klingt eigentlich ganz gut. Nur: Im Sinne eines vorauseilenden Gehorsams haben viele Kassenärzte bereits in den letzten Jahren die Verordnungen von pflanzlichen und anderen naturheilkundlichen Mitteln drastisch zurück gefahren. Hier ist fast kein Sparpotential mehr vorhanden. Und viel wichtiger: Mittel, die verschreibungspflichtig sind, müssen nicht wirksamer sein. Sie sind aber auf jeden Fall nebenwirkungsreicher. Darum bedürfen sie ja einer besonderen Therapiekontrolle durch den Verordner.  

Beispiele:

  • Die Wirksamkeit von Kalzium und Vitamin D in der Vorbeugung und Behandlung der Osteoporose steht außer Frage und wird in jedem Orthopädielehrbuch an erster Stelle empfohlen. Die Therapie mit hoch dosierten Fluorpräparaten führt zu einer hohen Knochendichte, ist aber umstritten, da der Knochen hierunter spröder wird und zumindest nach mehrjähriger Gabe die Frakturrate möglicherweise sogar ansteigt. Fluor bleibt weiter verschreibungspflichtig und erstattungsfähig. Kalzium und Vitamin D hingegen (bis auf wenige hoch dosierte Vitamin D-Präparate) fliegen raus. Verstehe das, wer will. Tipp: Kalziumpräparate und Kalzium-Vitamin D-Kombinationen sind nicht rezeptpflichtig. Einige Vitamin D-Präparate mit Dosierungen von 1000 IE oder mehr sind rezeptpflichtig und daher nach wie vor erstattungsfähig (z.B. Vigantol Oel, Ospur D3).

  • Bei schweren Wechseljahrsbeschwerden helfen Hormonpräparate. Nach den letzten Studien, die eine Steigerung der Rate an bestimmten Krebsen, Thrombosen, Herzinfarkten und Schlaganfällen unter Hormonersatztherapie ergaben, wird von den offiziellen Gesellschaften zur Vorsicht geraten: Wenn überhaupt Hormonersatztherapie, dann so kurz wie möglich, da mit jedem Jahr Therapie das Risiko steigt. Pflanzliche Präparate aus der Traubensilberkerze (z.B. Remifemin, Chimisan) sind – nach meiner Erfahrung und nach klinischen Studien – ähnlich wirksam, was die klimakterischen Beschwerden angeht, aber weit weniger nebenwirkungsbehaftet (die Vermutung, es läge eine östrogenartige Wirkung vor, die dann auch Tumoren bedingen könne, konnte mittlerweile widerlegt werden). Diese Mittel sind daher rezeptfrei – und werden deshalb in Zukunft von der GKV nicht mehr bezahlt. Tolle Logik!  

Gesundheitsreform - Was passieren wird:

  • Viele Patienten sind nicht bereit, selbst Kosten zu tragen – teilweise, weil sie es aus finanziellen Gründen wirklich nicht können, teilweise, weil das Bewusstsein, Selbstverantwortung zu tragen (auch finanzielle), immer noch recht gering ausgeprägt ist. So werden vermutlich viele Patienten von nebenwirkungsarmen, rezeptfreien auf nebenwirkungsreichere, aber rezeptpflichtige Medikamente umschwenken. Es erübrigt sich zu sagen, dass diese Medikamente nicht nur nebenwirkungsreicher sind, was zu vermehrten Kosten wegen der Behandlung eben dieser Nebenwirkungen führen wird, sondern dass sie in der Regel auch viel teurer sind. Von Einsparung kann keine Rede sein – im Gegenteil.

  • Zahlreiche Pharmafirmen des Mittelstandes, die sich auf naturheilkundliche, pflanzliche und orthomolekulare Präparate spezialisiert haben, werden den Rückgang des Verbrauchs ihrer Medikamente nicht überleben. Dabei gehen nicht nur viele Medikamente des naturheilkundlichen Arzneimittelschatzes verloren, sondern auch etliche Arbeitsplätze. Da der Mittelstand in der Regel relativ zum Umsatz mehr Mitarbeiter beschäftigt als große Pharmafirmen, werden hier mehr Arbeitsplätze vernichtet werden als gleichzeitig bei großen Pharmafirmen trotz vermutlich gesteigerter Umsätze entstehen werden. Darunter werden dann natürlich auch die Krankenkasseneinnahmen leiden.

  • Die Produktion nebenwirkungsarmer rezeptfreier Arzneimittel wird also quasi bestraft. Pharmafirmen müssen in Zukunft sogar darauf achten, dass die Medikamente nicht zu nebenwirkungsarm werden, weil sonst die Rezeptfreiheit „droht“. Ist es das, was unsere Gesundheitspolitiker und –funktionäre wollten? 

Manchmal kann ich mich des Eindruckes nicht erwehren, dass sich die Entscheidungsträger keine Gedanken darüber machen, welche Konsequenzen ihre Entscheidungen letztendlich haben. Werden denn gar keine Zukunftsszenarien entworfen? Jede Joghurtfirma betreibt heute große Studien, ob sich der Joghurt in einer blauen oder einer grünen Packung besser verkauft. Politiker scheinen jedoch überhaupt nicht darüber zu reflektieren, welche Mechanismen sie in Gang setzen – einige sind oben aufgeführt.

Experten, die dies könnten, werden nicht befragt. Experten, die gefragt werden, sind: Universitätsprofessoren, die zwar hervorragend wissenschaftlich arbeiten können, aber wenig direkt am Patienten tätig sind bzw. fast nur noch seltene Krankheiten sehen oder Komplikationen behandeln, aber fast nichts über die Sorgen und Nöte eines „normalen“ Blutdruck- oder Zuckerkranken wissen. Ärztefunktionäre, die seit Jahren keinen Patienten mehr angefasst haben. Krankenkassenfunktionäre, die es erfolgreich geschafft haben, ihren gewaltigen Verwaltungsapparat, der zudem noch höhere jährliche Steigerungsraten aufweist als die meisten anderen Kostenstellen im Gesundheitswesen, aus der Diskussion heraus zu halten.

Die „wahren Experten“ des Gesundheitssystems sind doch die Mütter, die ihre Familie gut ernähren wollen, die ihre Kinder mit natürlichen Medikamenten behandelt wissen wollen, die Oma, die am eigen Leibe spürt, was es bedeutet, wenn sie Mittel, die ihr jahrelange gute Dienste geleistet haben, nicht mehr erstattet bekommt, und der Hausarzt an der Basis, der nicht mehr die Medizin durchführen darf, die er gerne praktizieren möchte, weil ihm dann die Krankenkasse bzw. die Kassenärztliche Vereinigung ans eigene Portemonnaie geht. All diese Expertenmeinungen scheinen in der Diskussion jedoch unerwünscht zu sein. Das Fatale ist: Man könnte mit einer Gesundheitsreform, die diesen Namen wirklich verdient, Anreize für eine wirklich menschliche, nebenwirkungsarme und effiziente Medizin setzen. Diese Chance wurde jedoch wieder einmal vertan – jedenfalls was die Arzneimittel angeht.

Wer auch zukünftig eine naturheilkundliche Behandlung bevorzugt und nicht privat versichert ist, wird die Kosten hierfür also weitestgehend selbst begleichen müssen. Ein Schwerpunkt wird daher sicher die Vorbeugung durch eine gesunde Lebensweise und die naturheilkundliche Selbstbehandlung einnehmen.  

In den folgenden Büchern können Sie umfassende Informationen zur Naturheilkunde erhalten:  

Matthias Augustin/Volker Schmiedel: Leitfaden Naturheilkunde, Urban & Fischer,
1158 Seiten, € 59,95; der Klassiker der Naturheilkunde (nur für den naturheilkundlichen Therapeuten geeignet).

Volker Schmiedel: "Natürlich gesund", Das Selbstbehandlungsbuch Karl F. Haug-Verlag, 352 Seiten, € 24,95. 2009 neu erschienen
Ein
Leitfaden für den Laien; enthält alles, was der Laie über Naturheilkunde wissen sollte und zahlreiche praktische Tipps zur Selbstbehandlung

Natürlich gesund

ISBN: 9783830422211
EUR [D] 24,95 / EUR [A] 25,70
CHF 42,40 (CH/UVP)

 

Volker Schmiedel

Natürlich gesund

Das Selbstbehandlungsbuch
2009
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und natürlich im Buchhandel

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit  

 © Dr. Volker Schmiedel
Chefarzt der Inneren Abteilung
FA für Physikalische und Rehabilitative Medizin
Naturheilverfahren, Homöopathie
Dozent für Biologische Medizin (Univ. Mailand)

Animationen animierte Augen

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Aktualisiert: Juni 2010

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